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Bloggen mit Kavka, reden über Nazis

Störungsmelder

"Wir müssen reden. Über Nazis" - das ist das Motto des Störungsmelders, einem Blog gegen Rechts mit prominenter Unterstützung.
Geschrieben am

Das Problem ist alt, die Ausprägung jedoch neu und das Gegenmittel modern: Mittels eines Blogs unter dem Claim "Wir müssen reden. Über Nazis" sollen Ideen erarbeitet werden, was sich gegen das Problem rechter Gewalt insbesondere in Ostdeutschland unternehmen lässt. Unter stoerungsmelder.org bloggen Prominente, Medienarbeiter und Betroffene zum Thema 'Nazi punks fuck off'.

Die Geburtsstunde der Idee ist eine dunkle: TV-Moderator Ole Tillmann war nächtens nach einer Party mit jemandem vom INTRO auf dem Weg nach Hause, als rechte Skins ohne Grund und Vorwarnung zuschlugen. Der Abend endete im Krankenhaus – wohin man erst nach einer Weile gelangte, da Taxifahrer sich weigerten, den Verletzten zu transportieren. "Erst waren wir schockiert, dann motiviert: Wir mussten etwas tun", so Tillmann.

Tillmann sprach mit Markus Kavka (Foto) darüber, der seit seiner Jugend Erfahrungen mit rechter Gewalt hat: Früher bekam er aufs Maul, heute Morddrohungen. Zusammen mit der Redaktion des Zeit.Zuenders, dem Jugendportal der Wochenzeitung Die Zeit, und dem INTRO-Verlag entwickelten sie den Störungsmelder-Blog. Er soll den zahlreichen rechtsgerichteten Angeboten im Netz etwas entgegensetzen. Mit dabei beim zur Stunde 15-köpfigen Autorenteam sind auch der Fußballer Thomas Hitzlsperger und der Tagesschau-Journalist Patrick Gensing, der den NPD-Blog betreibt. Auch das Melt!-Festival hat sich dem Unterstützerkreis angeschlossen.

Diskutiert wird auf stoerungsmelder.org bereits eifrig. Auch die rechte Szene hat das Netzangebot bereits auf dem Schirm: In den Kommentaren beschweren sich User, dass rechte Gewalt ein Medienthema sei, wohingegen es doch eigentlich um die massenhaften Übergriffe ebenso militanter wie schwerkrimineller Ausländer gehen müsse (oder so). Christian Bangel von der Zeit setzt auf die Selbstheilungskräfte des Blogs und ruft dazu auf, sich als Autor für den Blog anzumelden oder mittels Kommentarfunktion mitzudiskutieren: "Es geht darum, die Argumente der Rechten auseinanderzunehmen."

In Zukunft soll das auch offline geschehen. Laut nachgedacht wird über eine Tour durch ostdeutsche Schule, wo Promis wie Kavka das persönliche Gespräch suchen werden: "Solche Typen reden nicht mit einem Sozialarbeiter. Aber vielleicht mit mir."

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www.stoerungsmelder.org :.