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Ganz Berlin ist voller Aale

Stephen Malkmus & the Jicks, Turin Breaks

Wer erst zur Zugabe in die Maria am Ostbahnhof gekommen wäre, hätte sich sicher sehr gewundert: Da schallte schauerlicher Boogie-Woogie durch den Raum, gefolgt von einer feisten Progressive-Rock-Einlage - man wähnte sich fast auf dem sozialdemokratischen Rock-Frühschoppen in der Autobahnraststätte B
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Autor: intro.de

Wer erst zur Zugabe in die Maria am Ostbahnhof gekommen wäre, hätte sich sicher sehr gewundert: Da schallte schauerlicher Boogie-Woogie durch den Raum, gefolgt von einer feisten Progressive-Rock-Einlage - man wähnte sich fast auf dem sozialdemokratischen Rock-Frühschoppen in der Autobahnraststätte Buddikate, hätte der Herr links auf der Bühne nicht so eine Ähnlichkeit mit Stephen Malkmus, ehemals Sänger von Pavement (und einer der großen Rock-Ironiker der Neunziger), gehabt. Schon früh merkt man an diesem lauen Februar-Vollmondabend: Stephen Malkmus traut sich wieder was. Der Mann, der auf Pavements letzter Tour (zu “Terror Twilight”) meistens vergnatzt rumstand und mit gequältem Gesicht den Boden anstarrte, hat zur alten Spielfreude zurückgefunden. Vielleicht auch nur, weil seine neuen Mitstreiter The Jicks ihn als den unangefochtenen Bandleader anerkennen. Nun hören wieder alle auf ihn. Ab und zu huscht sogar ein Lächeln über sein Gesicht. Und sichtlich aufgedreht, gibt er in gebrochenem Deutsch in Anlehnung an Monty Python einen mittelmäßigen Witz zum besten: “Ganz Berlin ist voller Aale.” Von “Swedish Reggae”, so der humorige Arbeitstitel seines Solo-Albums, ist außer bei dem kleinen Hit “Vague Space” jedoch nicht viel zu merken, die kolportierten Einflüsse von Laid Back und Stefan Edberg sind auf ein Minimum zurückgefahren. Und so tut Malkmus das, was er am besten kann: niveauvolle Langeweile verbreiten. Die ausschließlich neuen Stücke, die er spielt, erinnern in gewisser Weise an Pavement, doch das neue Material bietet abgehangenere, ausgeruhtere Songstrukturen. Offensichtlich hat ihm der Umzug nach Portland gutgetan. Ganz stilsicher wird dann noch eine andere Portland-Legende gecovert (nein, nicht Poison Idea, sondern “I’m An Alien” von den großartigen Wipers, mittlerweile auch schon 22 Jahre alt das Stück). Wären nicht am Ende die ernsthaften Verirrungen in die Muckerecke gewesen, hätte man sagen können, Stephen Malkmus hat sich überzeugend reinkarniert. So bleibt zu befürchten, dass er mit Siebenmeilenstiefeln in den Olymp der Rockdrohnen strebt.