×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Often Lie

Statistics

Denver Dalley kann sich über mangelnden Erwartungsdruck von Seiten seines Publikums wahrlich nicht beklagen. Und wie es so seine Art ist, setzt der baumlange Singer/Songwriter aus Omaha, Nebraska allen Checkern, die meinen, seinen nächsten Schritt berechnen zu können, ordentlich die Mütze auf. U-Tur
Geschrieben am

Denver Dalley kann sich über mangelnden Erwartungsdruck von Seiten seines Publikums wahrlich nicht beklagen. Und wie es so seine Art ist, setzt der baumlange Singer/Songwriter aus Omaha, Nebraska allen Checkern, die meinen, seinen nächsten Schritt berechnen zu können, ordentlich die Mütze auf. U-Turn ahoi! Führten die Anfänge der Statistics sämtliche stilistischen Prognosen, die Dalleys bisherige Arbeit mit den Desaparecidos an der Seite von Conor Oberst aufkommen ließ, mittels verstärkter Laptop-Knispelei ad absurdum, bewegt sich sein hier vorliegendes zweites Album sozusagen back to the roots: Die Gitarre ist wieder da, die große Geste auch, und die sympathisch vernuschelte Traurigkeit war ja eigentlich nie weg. Diese Besinnung auf die eigene musikalische Biografie bedeutet hier jedoch keine künstlerische Regression. Im Gegenteil, gelingt es Dalley doch, sämtliche Aspekte seines bisherigen Schaffens absolut schlüssig zu einem Sound zu verschmelzen, der viel Gefühl wagt und meistens auch das Herz gewinnt. Hochemotional aufgeladene, fritzelnde Emotronics mit kantigem Gitarren-Fuzz, ausgiebiger Laut/Leise-Dynamik und schlau-dezenten Powerbook-Schlenkern beschwören den so geilen wie schlimmen zeitlosen Schmerz des Jungseins herauf und verirren sich nur selten einmal auf das Terrain banal-prätentiöser Indie-Larmoyanz. Nein, dies ist nicht just another Emo-Operette mit Arthouse-Atmo auf der Verpackung und Blockbuster-Aspiration im Produktdesign, noch gibt Dalley hier den geprügelten Underdog, der eitel seine Injurien ausstellt. Vielmehr stürzt er sich mit einer bemerkenswert furchtlosen, doch dabei angenehm nüchternen Hingabe in Songs, von denen man sich in ihrer Mischung aus beiläufiger Abfahrt und Kontemplation wünscht, sie würden zum Leben erwachen, um sie einfach nur noch in den Arm nehmen zu können und so schnell nicht mehr loszulassen.