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Hasselhoff-Verbot vs. Pommes

Station 17

Paul Preissers Ratschlag an seine Mitmusikanten beim Interview im Proberaum der Station 17 bezüglich des Umgangs mit Fragen von Musikjournalisten ist ausgesprochen hellsichtig: “Schweigt bloß, Leute. Das kann alles gegen uns verwendet werden, das ist wie bei der Polizei hier!” Ebenjene Hellsichtigke
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Paul Preissers Ratschlag an seine Mitmusikanten beim Interview im Proberaum der Station 17 bezüglich des Umgangs mit Fragen von Musikjournalisten ist ausgesprochen hellsichtig: “Schweigt bloß, Leute. Das kann alles gegen uns verwendet werden, das ist wie bei der Polizei hier!” Ebenjene Hellsichtigkeit durchzieht textlich das gesamte Werk von Station 17. Auch wenn durch die Produktionsweise – das Komprimieren der Textpassagen via Geschnipsel am Rechner zur rhythmischen Anpassung – die Gefahr einer gewissen inhaltlichen Verkürzung besteht, so ist den Texten anzumerken, dass die VerfasserInnen einen eigentlich ziemlich nüchternen Blick auf eine völlig wahnsinnige und unübersichtliche Welt vorweisen. Stücke wie ehedem “Jesus hat gesagt” oder auf dem aktuellen Werk “Mikroprofessor” “Drogen sind schlecht für die Haut”, “Computer” oder “Kniffel” hinterlassen stets den Eindruck, dass ihnen eigentlich so nichts weiter hinzuzufügen ist.

Nun soll es hier nicht darum gehen, wo genau eine Unterscheidung zwischen Behinderten und Nicht-Behinderten gemacht werden soll, sondern vielmehr, ob derartige Begriffe überhaupt notwendig sind, um sich dem Phänomen Station 17 zu nähern oder ob nicht bereits der Versuch, überhaupt ein Phänomen aus einer Band zu machen, nur aus einer völlig vorurteilsbeladenen Haltung entstehen kann. Zwar dürfte unzweifelhaft sein, dass die Herangehensweise der behindert genannten Mitglieder von Station 17 allein aufgrund einer sicherlich anderen (musikalischen?) Sozialisation eben nicht “herkömmlich” ist, doch dürften Betrachtungen derart theoretischer Art spätestens bei den für ihre Explosivität bekannten Konzerten zumindest zeitweise vergessen werden. “Ein richtig gutes Konzert ist, wenn die Leute so richtig mitgehen und man das auch auf der Bühne hört. Also, wenn man es nicht nur sieht – davon habe ich ja schließlich nicht so viel”, so der blinde Sebastian Stuber.

Nun wirft “Mikroprofessor” die Frage auf, ob an den Rechnern von Nils Kacirek und Harre Kühnast nicht ein allzu handzahmes Produkt fertiggestellt wurde, das die Energie, die von der Band auf den Bühnen freigesetzt wird, nicht wirklich gut einfängt. Das Problem bestand hierbei wohl darin, dass zum Ende hin die Produzenten der Musik nur mehr alle paar Wochen mit den übrigen Musikern zusammentrafen, die somit ihre Parts binnen allzu kurzer Zeit und unter gewissem Druck einzusingen hatten. Dies ist in der neuen Besetzung, die nahezu täglich probt und kontinuierlich arbeiten kann, anders. Es soll zwar nicht der Trugschluss weitergetragen werden, dass Musik, an welcher Behinderte beteiligt sind, zwangsläufig etwas Anarchisches, “Wildes” haben muss, doch live weiß eigentlich keiner so genau, was geschehen wird – für die elektronischen Parts werden frei abrufbare Loops eingesetzt, mithilfe derer sich die Musikanten auf die stets wechselnden Vorträge der Singenden einstellen können, und sollten sich ganze Textpassagen völlig ändern: auch gut. Paul ist der Meinung, dies sei “das Besondere an der Musik. Im Gegensatz zu einer konstant arbeitenden Band müssen wir uns nicht so sehr an Vorlagen halten, würde ich mal sagen.”