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Bravo

Station 17

Es geht um Verbindungen. Im jetzigen Stadium geht es bei Station 17 wie nie darum, Musik - im Sinne von zielgerichteter Tätigkeit und geistiger Behinderung, von tonnenweise Zufälligkeiten produzieren - unter einen Hut zu bringen. Wie nie klingt die Belegschaft der Station dabei professionell und wet
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Autor: intro.de

Es geht um Verbindungen. Im jetzigen Stadium geht es bei Station 17 wie nie darum, Musik - im Sinne von zielgerichteter Tätigkeit und geistiger Behinderung, von tonnenweise Zufälligkeiten produzieren - unter einen Hut zu bringen. Wie nie klingt die Belegschaft der Station dabei professionell und wettbewerbsfähig. Improvisation und sorgfältiges Arrangieren führen den Gedanken von „Scheibe' (1997) konsequent weiter in Richtung Hitparade. Dort müßten sie nach Ansicht ihrer Mitglieder, ob nun gehandicapt oder nicht, sowieso schon lange sein, arbeiten doch alle nach dem Prinzip der Schlagerinterpretation, die einen (Musiker) aus Richtung Jazz und Dance, die Protagonisten (Sänger, SprecherInnen) aus Richtung „Bravo Hits' oder „Hitparade Der Volksmusik'. Daß die Station inzwischen kaum noch etwas von der ungestümen Avantgarde-Formation von vor vier Jahren, bestehend aus fast 50 Mitspielern, hat, ist im Falle von „Bravo' teils den Gästen DJ Koze, Thomas Fehlmann, Cosmic DJ im „Produzententeam' zu verdanken, teils zu verübeln. Zuviel Klinikum schadet Station 17. Wo weniger Produktion durchklingt, weniger geschnippelt und vielmehr dem assoziativen Fluß der SängerInnen Raum gelassen wurde, gibt es wieder krasse Texte, wildes Gemurmel, Gejohle und Ausbrüche, wo sie keiner vermutet. Geschichten über die Zeit, von einer Schlägerei in der Bar und die herzergreifende Das-Mädchen-bekomme-ich-ja-eh-nie-ich-häng-mich-auf-Romanze (Carl-Heinz Hille ist eindeutig der Poet im Team!). Die Musik gewinnt zudem an Dimension und Vielfalt, je mehr Handarbeit im Spiel bleibt, denn die musikalische Backline hat Spaß an ihren Eskapaden, TripHop oder „Warp'. Die rundeste Sache nach dem Käse, der zum Bahnhof gerollt wurde. Gerne „Bravo' in die Hitparade. Das hierfür erforderliche Umdenken im Umgang mit den ganz normalen Handicaps der Beteiligten wird allerdings nicht mehr Köpfe beschäftigen, als im deutschen Feuilleton beschäftigt sind. That’s just the way it is.