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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Der Traum, aus dem die Stofftiere sind

Starlight Mints

Die Menschen, von denen diese Musik kommt, haben die Pixies, Beck, Pavement, Beatles und Violent Femmes gehört. Damit kann man bekanntlich arbeiten. Aber Moment - Arbeit, das ist doch was für Erwachsene! Und das hier ist alles andere als erwachsen, und das meine ich nicht negativ. Ich bin gerne Kind
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Die Menschen, von denen diese Musik kommt, haben die Pixies, Beck, Pavement, Beatles und Violent Femmes gehört. Damit kann man bekanntlich arbeiten. Aber Moment - Arbeit, das ist doch was für Erwachsene! Und das hier ist alles andere als erwachsen, und das meine ich nicht negativ. Ich bin gerne Kind. Gebt mir etwas Spannendes, etwas zum Spielen. Und Schokolade.

Spiel, Spass, Spannung

Darf's mit Pfefferminzgeschmack sein? Starlight Mints bringen dein Kinderzimmer durcheinander, werfen alles kreuz und quer durch die Gegend, machen Blödsinn mit Puppen und Rock'n'Roll im Kasperltheater. Luftballons zerplatzen, und bunte Lämpchen blinken überall. Lustige Kerle machen "beep, beep!", und langhaarige Typen spielen Luftgitarre. Rummelplatz is in the house!

Information first: Starlight Mints kommen aus Normen, Oklahoma. Ursprünglich waren sie ein siebenköpfiges "Orchester", wie Sänger und Songwriter Allan Vest beim Interview sagt, jetzt sind sie nur noch zu fünft. Irgendwann stießen sie mit Dave Sardy zusammen, auf dessen Label See Thru Broadcasting ihr Debütalbum "The Dream That Stuff Was Made Of" im letzten Jahr in den USA veröffentlicht wurde und dort der Renner vorm Herrn war. See Thru, unter anderem auch das Label von Radar Bros., strich gleich mal den "Best Label 2000"-Preis ein, woran die Starlight Mints sicherlich nicht unbeteiligt waren. Jetzt wird das Album auch hierzulande veröffentlicht.

Get Physical!

Allan: "Die meisten Songs auf dem Album wurden vor vier Jahren aufgenommen. Nur zwei Stücke haben wir neu für das Album gemacht. An den anderen haben wir nicht viel verändert. Wir haben sie verwendet, wie wir sie für die ersten Demos aufgenommen haben."

Gute Rockmusik kennt kein Verfallsdatum - aber trotzdem: wird das nicht langweilig? Jetzt dieselbe Promotour noch mal in Deutschland durchzuziehen?

Allan: "Es ist schön, dass das Album endlich auch in Deutschland draußen ist. Wir touren mit neuen Liedern - viele der alten sind live nicht besonders einfach zu spielen, vor allem zu fünft."

Dann sind die neuen Songs weniger komplex? Weniger zusammengeflickt und -gefrickelt? Eine Rückkehr zum Einfachen gar?

Allan: "Man kann sie nicht mehr so leicht kategorisieren wie die alten Sachen. Aber es ist immer noch der gleiche Stil. Es hat etwas mit Vibe zu tun - wir versuchen, den gleichen Vibe zu behalten."

Jetzt geht es ans Eingemachte. Zu fragen, was das denn für ein Vibe sei, ist natürlich unmöglich. Ebensogut könnte man einen Fußballfan fragen, warum er Fan ist. Er ist Fan und Punkt. Starlight Mints haben Vibe und aus. Man könnte versuchen, ein Bandmitglied zu werden, und würde vielleicht irgendwann verstehen, es aber auch nicht erklären können. Oder man könnte sich die Platte anhören und die Musik zu sich reden lassen. Echt jetzt. Musik ist eine emotionale, impulsive Sache und erklärt sich selbst. Versteht sich selbst und bedarf keines oktroyierten Verstanden-werdens. Womit natürlich - huch! - sofort die Schrift auf meinem Daseinsberechtigungsausweis als Musikjournalist verblasst.

Erase and rewind und schnell die nächste Frage, am besten die allerabgedroschenste, die nach dem Influence. Allan wartet sowieso schon lange: "Die Pixies sind sicher eine der Bands, die die Musik verändert haben. Aber wir haben ganz unterschiedliche Einflüsse. Spanische zum Beispiel. Ich bin mit Sachen wie Velvet Underground aufgewachsen ... Es gibt so viel."

Dass die Musik von Starlight Mints einem spanisch vorkommt, findet Analogie in den Namen - von Schlagzeuger Andy Nanez, Keyboarderin Marian "Love" Nanez und Bassist Jarien Gonzalez. Sonst klingt das alles eher nach Gemeinplatz und ist doch unverzichtbar - und hey, was sonst hätte der kleine Allan hören sollen? Damals in Normen, einem 80.000-Seelen-Vorort von Oklahoma City, College-Stadt mit einer kleinen, aber immerhin Szene? Kommen da nicht auch die Flaming Lips her? "Danach werden wir oft gefragt. Wir haben das gleiche Management. Wir sind befreundet, sie kommen hier aus der Gegend. Es hat eben Presse über sie und uns gegeben, weil sie in der gleichen Stadt leben. Sie machen musikalisch ein ganz anderes Ding, aber wir respektieren sie."

One For The Money And Two For The Blow

Reden wir noch mal über das Ding, das Starlight Mints machen. Schreibt Allan die Lieder alleine? "Ich bin der idea guy. Ich bin nicht der einzige. Wir haben Tausende von Ideen, arbeiten oft tagelang an einer, arrangieren, wurschteln mit Gitarren, Pianos, Celli und was auch immer herum."

Dieses Rumwurschteln findet seinen vorläufigen Höhepunkt in dem Lied "Popsickle". Dazu ist der CD auch ein großartiges Video beigefügt, in dem die Bandmitglieder als Stoffpuppen agieren und einen an eine Art tschechische Sesamstraße aus den Siebzigerjahren denken lassen. Klimax-of-trash-Kuddelmuddel goes Musikfernsehen? "Der Song war nicht auf dem ursprünglichen Album in den Staaten. Ich wollte ihn eigentlich nicht drauf haben. Es war nur eine Art Witz. Mein Freund machte das Video, ohne dass ich es wusste. Also sagten wir, gut. Aber wir hatten großen Spaß, es aufzunehmen. Es ist, ich weiß nicht ... Du bist der erste, der mich dazu befragt, deshalb bin ich ein bisschen ... schockiert. [lacht] Aber ich liebe das Video. Es funktioniert mit dem Song. Und umgekehrt. Es hieß ursprünglich 'Archibald'. Wir haben den Text verändert. Es war erst sehr experimentell und endete dann in einem Popsong."

Archibald, das passt wieder wie die Faust aufs Hosentürl zu dem Opener "Submarine #3", der mit einer barocken Geigenouvertüre einlädt in die verquere Welt der Starlight Mints - eine Welt aus Tempowechseln, großen Melodien und komischen Geräuschen. Und Schokolade.