×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

St. Pauli Einhundert

Diverse

Freibeuter-Lyrik für Stehplatzkarteninhaber: Für Fans und Komplettisten möglicherweise lohnenswert, aller Entbehrlichkeit zum Trotz.
Geschrieben am
Freibeuter-Lyrik für Stehplatzkarteninhaber: Für Fans und Komplettisten möglicherweise lohnenswert, aller Entbehrlichkeit zum Trotz.

Der FC St. Pauli von 1910 wird in diesem Jahr, man ahnt es: Einhundert Jahre. Dazu kann man ruhig mal gratulieren. Ob das allerdings mit einer Compilation passieren muss, auf denen die üblichen Verdächtigen (Thees Uhlmann, Rantanplan) üblich Verdächtiges (Ska-Punk, "witzige" weil auf den Moment umgetextete Coverversionen) zum Besten geben, muss so stark bezweifelt werden wie eine Meisterfeier am Kiez 2011.

Seit jeher gefällt man sich am Hamburger Millerntor in der Rolle des sympathischen, weil "etwas anderen" Fußballclubs. Unterm Strich heißt das: Ein latent linksalternativer Gestus (der real aber nur noch als Mythos existiert) und imagefordernde und –fördernde Piratenflaggen – als "Freibeuter der Liga" kann man damit auf eine Fanschar von Berlin-Mitte bis TV-Total-Elton bauen. Und auf das zweitgrößte Merchandising-Potenzial hinter dem verhassten FC Bayern - schließlich sitzt irgendwo doch immer noch irgendwer im "Retter"-Shirt rum. USP ist neben "Ultras Sankt Pauli" eben auch die Abkürzung für "Unique Selling Point". Kurzum: Auf den FC St. Pauli können sich alle einigen, vor allem eben auch die, die sich nicht für Fußball interessieren.

Dementsprechend gibt es auch wahrscheinlich kaum eine Band, die nicht gerne per Songbeitrag gratuliert, eine tanzbare Ska-Pogo-Version von "You’ll Never Walk Alone" ist im Zweifel ja schnell eingespielt. Der Campino des Indie-Rock, Tomtes Thees Uhlmann, kreiert mit "Das hier ist Fußball" mal wieder seine eigene Emo-Sichtweise des Phänomens, eine Gruppe namens Aussenborder macht aus Rio Reisers "König von Deutschland" kurzerhand den "Trainer von St. Pauli". Haha! Ansonsten gibt es viel Off-Beat, Pogo und gereckte Fäuste. Für Fans und Komplettisten möglicherweise lohnenswert, aller Entbehrlichkeit zum Trotz.

In drei Worten: Fankurve / Off-Beat / Ska-Punk