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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Personenkult par excellence

St. Paul & The Broken Bones live in Köln

Das Konzert der Soul-Kombo aus Birmingham, Alabama im beinahe überfüllten Luxor wird maßgeblich von einer Person bestimmt: Sänger Paul Janeway.
Geschrieben am
26.01.2017, Köln, Luxor  

Personenkult kann ja was Schönes sein. Ohne diesen würde der ganze Pop-, Kunst- und Kulturzirkus inklusive der Stars die wir alle mehr oder weniger verehren überhaupt nicht funktionieren. Die Erhebung einzelner Personen – in diesem Spektrum zumeist künstlerischer Natur – über andere darf somit also nicht per se als negativ gesehen werden.  

Bei St. Paul & The Broken Bones vollzieht sich bandintern ein ganz ähnlicher Prozess. Sänger Paul Janeway steht selbst für Bandverhältnisse – wo es ja zumeist einen Lead gibt – außergewöhnlich stark im Vordergrund. Das wird nicht nur bereits im Bandnamen und auf Platte deutlich, sondern erst recht live. Schon die Kleidung drückt die Alleinstellung Janeways aus: Während alle Bandmitglieder im Sinne eines sympathischen Understatements gedeckte Farben tragen, sticht der Frontmann durch sein exaltiertes, purpur-gesprenkeltes Jackett deutlich heraus.
 

Auch musikalisch fokussiert sich der Southern Soul der Broken Bones, sowie der ganze Auftritt stark auf ihn. Zurecht, denn die Stimme des äußerlich eher an einen Vorort-Versicherungsvertreter mit Doppelhaushälfte erinnernden Janeway sticht selbst unter guten Sängern stark heraus. Dies wird jedoch problematisch, wenn sich das musikalische Rezept über eineinhalb Stunden kaum ändert. Jeder Song scheint auf die großen Töne des Tenors zugeschnitten.  

Auch das gelegentliche in den Vordergrund stellen der restlichen Bandmitglieder kann diesen Eindruck nicht wettmachen. Im Gegenteil wird er durch dieses eher bemühte Prozedere nur noch verstärkt. Bei all dieser Kritik am Personenkult muss jedoch noch einmal festgehalten werden, dass die Soul-Gospel-Mischung St. Pauls immer mitreißend, eingängig und schlau arrangiert ist. Ansonsten würde das Publikum im ausverkauften Luxor bei großartigen Songs wie »Call Me« oder »Broken Bones & Pocket Change« nicht so frenetisch jubeln. Und wenn sich Paul Janeway auf der Bühne liegend räkelt oder ein bisschen tapsig über die Bühne tanzt, stellt sich wieder einmal die Erkenntnis ein: Personenkult kann was Schönes sein.

St. Paul & The Broken Bones

Half the City

Release: 12.05.2014

℗ 2014 Single Lock Records