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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Platsch!

Splash!

04.-06.08., Chemnitz, Stausee RabensteinDieses Geräusch (Platsch!) hörte man nun schon zum zweiten Jahr in Folge in Europas sommerlichen HipHop-Mekka, am Stausee Oberrabenstein, im sächsischen Chemnitz. Wie auch 2005 stellte sich Petrus nicht gerade als HipHop-Fan heraus, und ließ es wie aus Eimern
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04.-06.08., Chemnitz, Stausee Rabenstein

Dieses Geräusch (Platsch!) hörte man nun schon zum zweiten Jahr in Folge in Europas sommerlichen HipHop-Mekka, am Stausee Oberrabenstein, im sächsischen Chemnitz. Wie auch 2005 stellte sich Petrus nicht gerade als HipHop-Fan heraus, und ließ es wie aus Eimern regnen.
Dabei sah es am Anfang noch ganz angenehm aus. Wir bauten uns schon am Donnerstag mit dem Festivalguide-Stand neben den netten Kollegen von Bunch TV auf. Diesmal hatten wir für die Meets & Greets sogar eine richtige, überdachte Bühne bekommen, auf der sonst immer die Breakdancer ihr Tanzwesen trieben.

Freitag Mittag war’s denn bei Anpfiff auch noch sonnig und unser Moderator Flowin Immo hatte als ersten Gast niemand Geringeres als den englischen Beatbox-Akrobaten Killa Kela zu Gast. Nachdem der Sound dann stand, gab’s dann den ersten Freestyle von Immo (ex-FAB), der wie immer die Lacher auf seiner Seite hatte. Gebt dem Mann eine TV-Show!
Auf der Hauptbühne rockten derweil Olli Banjo, Prinz Pi und unsere Münchner Freunde vom Blumentopf gut los. Keith Murray, der wohl gerade erst frisch aus dem Knast entlassen war, nahm während seines Gigs ein ausgiebiges Bad in der Menge und war auch später noch bei uns am Stand und Nachts als Überraschungsgast bei DJ Jazzy Jeff im Coke-Zelt sehr publikumsnah. Was ein verrückter Vogel!
Dann kamen die ersten dicken Schauer. Aus dem letzten Jahr hatte man gelernt und so reagiert, dass alle wichtigen Wege, die über Gras gingen, mit Gummi-Matten gesichert waren, so dass die große Schlamm-Suhlerei geringer ausfiel als 2005. Dennoch konnte man im Laufe des Wochenendes lustige Kreationen aus Mülltüten mit Splash-Logo bestaunen, die demnächst wohl jeder O.G. tragen muss, wenn er real sein will.
Im Festivalguide-Stand fühlte sich das so an, als hätte Herkules den auszumistenden Stall mit unserem Unterschlupf verwechselt und den Fluss zu uns umgeleitet. Ein Glück hatten wir die Bühne, die am Restwochenende des Öfteren als Unterstand genutzt werden konnte.Highlights am ersten Abend Splash waren zweifellos zwei Berliner Acts. Auf der Hauptbühne lieferten Seeed eine wie immer eindrucksvolle Performance ab. Tänzer, Sänger und der dickste Bläsersatz seit den Posaunen von Jericho verwandelten die Menge vor der Hauptbühne in eine riesige Dancehall, bei der das Motto wohl „Mush Up di Matsch“ war.
Auf der MZEE-Stage am anderen Ende des Geländes gab man sich da zeitgleich bedeutend härter die Mikrofone in die Hände. K.I.Z. (Kannibalen in Zivil, Künstler im Zuchthaus, Kinder im Zoo, wie auch immer) verstehen es, Hardcore-Lyrics, Ironie, Witz und gute Beats wie keine andere Crew derzeit in Einklang zu bringen. Und so feierte die Crowd mit umgedrehter Deutschland-Flagge (eine Anspielung auf eine Textzeile) und großen Ballons mit dem K.I.Z.-Logo (zwei Kastanien mit einem Notenschlüssel dazwischen, hehe) eine derbe, sehr textsichere Party.
Draußen war dann Schluss, man begab sich in die Party-Zelte. Gerade noch rechtzeitig konnte ich mein altes DJ-Idol Jazzy Jeff aus Philly erwischen. Ihr kennt ihn vielleicht nur als den Typen, der bei der Sitcom „Prince von Bel Air“ immer achtkantig aus der Tür flog. Eigentlich aber bildete Jazzy Jeff mit Will Smith eines der heißesten HipHop-Duos der 80er Jahre. Und Jazzy Jeff galt als bester Turntablist damals. Heutzutage ist Jazz nun nicht mehr mit Plattenkoffern bewaffnet, sondern hat sein Final Scratch im Laptop am Start. Das klingt aber live erstaunlicherweise genauso gut und macht ‚nen geraden Rücken. Mit dabei Mad Skillz, der die Meute mächtig anheizte. Das Set beschloss Jazzy Jeff äusserst furios: „Smells like teen spirit“ am Ende eines HipHop-Sets zu spielen, das eh schon formidabel war, ließ selbst den faulsten Kopfnicker ausrasten.Der Samstag war dann noch nasser als der Freitag. Aber da mussten wir alle durch. Und so bedankte sich auch jeder Act fürs Durchhaltevermögen der Zuschauer.
Zu uns an den Stand kam am frühen Abend ein 16jähriges HipHop-Wunderkind aus Braunschweig namens F.R., der sogar unseren ungeschlagenen Freestyle-König Immo Tribut zollen ließ. Seit MC Rene hat Braunschweig wohl keinen so guten Rapper mehr hervor gebracht.
Die Hauptbühne war am Samstag höchst unterschiedlich besetzt. Da hatten wir die konzentriert streng rappenden Curse und Azad, die französischen Comedian Harmonists von der Saian Supa Crew, Reggae-Ikone Gentleman mit großer Band und zu guter Letzt noch das New Yorker Schwergewicht Fat Joe. Letzterer fiel als Headliner eher negativ auf. Äußerst viele Raps kamen parallel von Platte, die Show war mit einer halben Stunde provokativ kurz, und dann noch diese ständige Rumballerei! Schon zuvor bei den Youngbloodz aus Atlanta fiel das unangenehm aus dem Rahmen. Maschinengewehr-Salven und Pistolenschüsse als Jingles. So klingt also eine Prunksitzung beim Gangster-Karneval: statt `nem Tusch à la „tadaaa“ gibt’s ein „klick-klack, ratatatatatat“ nach jeder verkackten Pointe.

Der Sonntag wurde dann durch eine mehrstimmige Alpen-Melodie eingeleitet. Texta, aus dem österreichischen Linz, machten mit ihren „Schmäh“-Raps richtig viel Spaß am Vormittag. Stand man sich bei den ersten Song noch in gleicher Zahl (Band – Publikum) gegenüber, kamen immer mehr Leute aus ihren Schlammlöchern hervor und tanzten, was das Ölzeug hielt.
Auch der Rest des Tages war musikalisch sehr verträglich, teilweise sogar genial. Konnte mich Joy Denalane mit ihrem Neo-Soul noch nicht so richtig packen, so ging’s anschließend bei Jan Delay und seiner neuen Band Disko No.1 um so mehr ab. Die Band knallte ähnlich gut wie die berüchtigten Seeed-Horns und Eisfeldt tanzte als Funk-Dandy im schwarzen Anzug mit passendem Hut wie ein leibhaftiger Blues Brother über die Bühne (es fehlt nur die Sonnenbrille). Musikalisch fast der Höhepunkt des Splash! 2006.
Der folgte dann am Abend mit der Aufführung von Rap meets Classic. Das Projekt brachte ein Allstar Team der deutschen Rapszene mit einem Symphonie-Orchester aus Chemnitz zusammen. Stellt Euch einfach mal das Instrumental von Pharaohe Monch’s „Simon Says“ gespielt von einem mächtigen Orchester vor. Das macht richtig Gänsehaut! Nach einer knapp zehnminütigen Ouvertüre, gab’s dann die best of „HipHop aus Deutschland“-Show mit Samy Deluxe, Azad, den Spezializtz, Torch, Toni L., Tefla & Jaleel u.v.a. als krönenden Abschluss für ein trotz Dauerregen schönen Splash 2006.

Nächstes Jahr ist das zehnjährige Jubiläum geplant. Das Regenwetter bereitet den Veranstaltern im Nachhinein nun große finanzielle Sorgen. Geht bitte auf die Homepage vom Splash! und lest selbst, wie wir helfen können, dass die Geschichte des mit Herzblut betriebenen HipHop-Happenings weitergeht!