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Spitting Off Tall Buildings

Spitting Off Tall Buildings

Zugegeben, Vorurteile gegenüber musizierenden Schauspielern sind, wegen einiger durchaus missratener Experimente in jüngerer Vergangenheit, durchaus legitim. In einigen Fällen läge man da, wie jetzt beispielsweise bei Jana Pallaske und Spitting Off Tall Buildings, aber auch gänzlich falsch. Deren De
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Zugegeben, Vorurteile gegenüber musizierenden Schauspielern sind, wegen einiger durchaus missratener Experimente in jüngerer Vergangenheit, durchaus legitim. In einigen Fällen läge man da, wie jetzt beispielsweise bei Jana Pallaske und Spitting Off Tall Buildings, aber auch gänzlich falsch. Deren Debüt artikuliert nämlich ziemlich unmissverständlich, wie man mit Begrifflichkeiten wie „Cross-Marketing“ oder „Synergieeffekt“ zu verfahren pflegt: ab in die Tonne damit, oi. Aus dem Bauch und ins Gesicht gerotzter Up-Beat-Punkrock – keine schicke Retro-Attitüde, klischeefrei und kaum kalkulierbar, keine Zugeständnisse an die Kompatibilität –, hinterher fühlt man sich, als wäre man in einem Holzfass einen sehr langen und steilen Abhang hinuntergerollt. Tut manchmal weh, macht aber höllisch Spaß. Letzteres hört man jedem einzelnen der zwölf Songs an: Hier geht es eben nicht um die Zurschaustellung einer parolenreichen Anti-Haltung („this is no revolution ...“, schon vorweg klargestellt im Opener „Come On“); man sagt, was man zu sagen hat, und genießt es in vollen Zügen, mächtig auf Putz und Pauke zu hauen – auch wenn sich Frau Pallaske gegen die wuchtigen Gitarrengewitter (überaus amtlich zusammengeschraubt von den Herrschaften Moses Schneider, Gordon Raphael und Michael Illbert, deren Arbeit weder den Hives noch den Strokes oder den Beatsteaks Anlass zur Klage gab) heiser brüllen muss. Ungemein eigen und viel zu schnell vorbei. Wer dennoch meint, dies aus Prinzip doof finden zu müssen, dem sei an dieser Stelle das Konzert empfohlen. Da kann er dann mal sehen. Und auch mal direkt nachfragen. Man hört, Jana, deine beruflichen Prioritäten seien klar verteilt. Richtig? Ich habe mich nie darum gerissen, Schauspielerin zu sein. Schauspielerei ist eine sehr passive Angelegenheit. Man darf mich nicht falsch verstehen, kann ja auch Spaß machen – mein reines, wirkliches Herzblut war da aber nie. Das ist bei der Musik. War schon immer so, wird so bleiben. Ohne Einschränkung. Da könnten einem so manche Fragen allmählich böse auf den Senkel gehen. Weil das eine mit dem anderen rein gar nichts zu tun hat. Spitting Off Tall Buildings auf meine Person zu konzentrieren ist sowieso ein absoluter Witz. Wir sind zu fünft, jeder davon ist eine starke Persönlichkeit. Wir haben drei Jahre an dieser Platte gearbeitet. Sie bedeutet uns allen sehr, sehr viel. Mit welcher musikalischen Früherziehung? Mit Black Flag, Fugazi und Hüsker Dü. Allesamt Helden mit enorm viel Disziplin und Straightness. Pop war mir immer, bei allem Respekt, zu oft belanglos und öde.