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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Monochrome live

Spiele dort, wo du laut sein kannst

10.03.06 - Köln, Blue Shell Freitag Abend. Scheiß auf die Kälte. Scheiß auf den Regen. Scheiß auf den Schweinehund. Heut Abend geht's zu Monochrome!!! Der deutschen Band, die schon lange kein Geheimtipp mehr sein sollte. Mit großen Erwartungen betrat ich dann auch ein ausverkauftes Blue Shell. A
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10.03.06 - Köln, Blue Shell

Freitag Abend. Scheiß auf die Kälte. Scheiß auf den Regen. Scheiß auf den Schweinehund. Heut Abend geht's zu Monochrome!!! Der deutschen Band, die schon lange kein Geheimtipp mehr sein sollte. Mit großen Erwartungen betrat ich dann auch ein ausverkauftes Blue Shell. Aha! Bin also nicht die einzige, die dem Ruf guter Musik gefolgt ist, dachte ich. Während ich von der Theke aus Sängerin Liza noch beim Schminken zuschauen konnte, ertönten aus dem Hintergrund bereits Geräusche, die ich zunächst für eine Art Soundcheck hielt. Die willkürlich anmutende Mixtur aus Tönen entwickelte sich jedoch zu einem sehr packenden, sphärischen Intro der Vorband Trip Fontaine. Die Aufmerksamkeit des Publikums war ihnen sicher. Wasserfallartig bahnten sich dann fette Bässe, wilde Gitarren und aggressiven Screamo-Ausbrüchen den Weg in die Menge. Insgesamt zwar ein sehr gelungener Warm-Up, der dennoch zu viele Zuschauer kalt ließ.

Das sollte sich leider auch nicht ändern, als Monochrome das bühnenähnliche Trittbrett betraten. Ohne Umschweife starteten sie durch und waren direkt voll da. Bang your head, Baby - dachte ich mir. Doch auf Grund einer Vielzahl an Ungereimtheiten sprang der Funke nicht über. Während Sänger Marc sein Herzblut aus sich herausschrie, stand ihm das lethargische Publikum wie ein Wachsfigurenkabinett gegenüber. Möglicherweise kannte kaum jemand ihre Songs und war stattdessen nur dem Ruf des neuerlichen Hypes gefolgt. Oder die Musik selbst vermochte die Menschen nicht zu bewegen. Ich erinnere mich, dass ich häufig auf etwas wartete. Auf den Moment, der mir das Go gibt. Vielleicht mag es daran gelegen haben, dass der "IndieHardcoreGitarrenAlternative"-Sound weder in eine musikalische noch in eine tanzbare Schublade abgelegt werden will, und mich deshalb ein wenig irritiert zurückließ. Insgesamt war der Gig sehr seltsam: Es war heiß, obwohl sich kaum jemand außerhalb der Band bewegte. Es war laut, obwohl man nichts hörte. Es war emotional, obwohl die Songs ihren Weg ins Publikum nicht fanden. Besonders schade fand ich, dass die Sängerin kaum zu hören war. Denn gerade das, was diese Band ausmacht, nämlich das Mit- bzw. Gegeneinander der harten Männerstimme zur soft-lieblichen Frauenstimme, ging komplett unter. Auch die Begeisterung des völlig ausgepowerten Sängers Marc hielt sich in Grenzen: "Wenn wir das gewusst hätten, dass die hier ne Dezibelbeschränkung haben, hätten wir hier nicht gespielt."

Und was haben wir daraus gelernt? Spiele dort, wo du laut sein kannst. Dort, wo dein interessanter Widerspruch aus Aggression und Sanftmut den Weg in die Herzen eines würdigen Publikums findet. Dort, wo du gehört wirst!