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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Spezial-Update: »Live At The Paramount«-Konzert komplett im Stream

Nirvana

Vor 20 Jahren erschien mit »Nevermind« das Album, das die amerikanische Independentmusikszene auf Links zog. Im Rückblick wird das Jahr 1991 - angelehnt an die gleichnamige Sonic-Youth-Dokumentation - gerne »The Year That Punk Broke« genannt. Es war das Jahr, in dem die Musikindustrie endgültig verstand, dass auch mit Indie, Hardcore und Punk das große Geld machbar ist. Es war der Beginn des Ausverkaufs vieler Indie-Ideale. Zum Jubiläum erscheint dieser Tage »Nevermind« in opulenter Form wieder via Geffen / Universal.
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Wir schreiben den 10. September 1991. Für die Summe von 72.000$ (und zwei Prozentpunkte Tantiemen der kommenden beiden Alben) wechseln Nirvana von Sub Pop zum Majorlabel Geffen. Dort erscheint als erste Single »Smells Like Teen Spirit«, am 24.09. folgt dann das Album »Nevermind«. Der Beginn einer sagenhaften Erfolgsgeschichte für die Band (im Januar des folgenden Jahres wird das Album Superstar Michael Jackson von der Spitze der US-Billboard-Charts stoßen und bis zu 400.000 Einheiten die Woche verkaufen) - und zugleich der Anfang von Ende für Kurt Cobain, der mit dem großen Erfolg nicht zurecht kam.

Man kann viel spekulieren, wie sich die Independent-Labellandschaft in Amerika ohne Nirvana weiterentwickelt hätte. Fakt ist, dass durch sie und den daraus resultierenden Grunge-Boom nicht nur jede Band plötzlich »aus Seattle« kam, sondern auch der große Ausverkauf einsetzte: Selbst die obskursten Bands konnten im Windschatten von Grunge noch einen Plattenvertrag ergattern. Doch die wenigsten hatten freilich ein Album parat, das auch nur annähernd die Dringlichkeit und Raffinesse von »Nevermind« besaß.

»Nevermind« hat nicht durch Zufall diesen Paradigmenwechsel eingeleitet. Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl ist es auf dem Album mit Hilfe des Produzent Butch Vig (Garbage) gelungen Teenage Angst, Zukunftsnihilismus und Sturm und Drang zusammenzubringen. Nicht nur der Übersong »Smells Like Teen Spirit« sondern ein Großteil des Albums sind Zeugnise einer seltsamen Euphorie. Einer Euphorie, die ihre Essenz aus dem Schmerz des Hauptprotagonisten zog. Diese klebrig-süßen Monster von Songs mit ihren scheinbar freundlichen Melodien sind zugleich von einer perfiden Schwermut geprägt. Oder sagen wir es anders: »Nevermind« ist Album gewordenes Borderline-Spektakel.

UPDATE 29.09.2011: Bis einschließlich 04.10.2011 könnt ihr das kompletten »Live At The Paramount«-Konzert von 1991 unten im Stream anschauen.