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We Believe In Chemistry!

Sparta

Egal, wohin man geht: So ganz kann man es nie abschütteln, woher man kommt. Wer wie Sparta aus El Paso, Texas an der mexikanischen Grenze kommt, vergisst niemals, was es heißt, hart zu arbeiten und trotzdem dankbar und bescheiden zu sein - Erfahrungen, auf die Drummer Tony Hajjar immer noch stolz
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Egal, wohin man geht: So ganz kann man es nie abschütteln, woher man kommt. Wer wie Sparta aus El Paso, Texas an der mexikanischen Grenze kommt, vergisst niemals, was es heißt, hart zu arbeiten und trotzdem dankbar und bescheiden zu sein – Erfahrungen, auf die Drummer Tony Hajjar immer noch stolz ist. Dass diese Band vor zwei Jahren ›Wiretap Scars‹ herausbrachte und drei Viertel von ihr als At The Drive-In Geschichte schrieben, hat sie auf ihrem neuen Album ›Porcelain‹ offensichtlich auch nicht vergessen: »We play loud rock’n’roll«, stellt Tony klar. Nur mit dem Unterschied, dass der inzwischen etwas nachdenklicher, vielleicht sogar gesetzter, auf jeden Fall aber ruhiger, sorgfältiger ausgearbeitet daherkommt. Sie haben ihren Stil perfektioniert: diese faszinierende Verbindung von Wut und Melancholie, Sehnsucht und Euphorie, Verzweiflung und Leidenschaft. Auf die Mischung kommt es an.

Auch im Bandgefüge: Bevor die Arbeiten zu ›Porcelain‹ begannen, waren Sparta 18 Monate nonstop auf Tour gewesen. »Wir sind endlich wirklich eine Band geworden«, erinnert sich Tony. Als perfekt eingespieltes Team machten sie sich dann auf den Weg in die Wüste, um dort das neue Gemeinschaftsgefühl musikalisch umzusetzen. Fünf Wochen Klausur im Rancho de la Luna Studio in Joshua Tree, einem abgelegenen 14.000-Seelen-Kaff in Südkalifornien. Der sympathische kleine Laden, Heimstatt der ›Desert Sessions‹-QOTSA-Clique, ist bezahlbar und hat scheinbar massig Termine frei. Hier ticken die Uhren langsamer als im zweieinhalb Autostunden entfernten Los Angeles, wo bis auf Sänger Jim alle Bandmitglieder wohnen. »Wir hatten endlich mal Zeit, zu atmen und das Leben zu genießen«, schwärmt Tony. »Wir konnten endlos an den Songs herumfeilen, es war sehr entspannt. Wir hatten in sieben Jahren Bandalltag noch nie eine größere Pause – und noch nie so viel Zeit für eine Aufnahme.«

Die Songs entstanden größtenteils in endlosen Jam-Sessions. Jeder trug seinen Teil zum großen Ganzen bei, alle teilten sich die »songwriting responsibilities« brüderlich: »Es gibt kein Ego in der Band. We believe in chemistry!« Kommune oder Familie? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem, mit einem Stich ins Sektenhafte: »Man lernt sich da draußen viel intensiver kennen als auf Tour. Auf Tour kann man sich mal aus dem Weg gehen, da nicht. Man bekommt ein ganz neues Gefühl für den eigenen Körper, für die anderen, dafür, wie alles ineinander greift und funktioniert.« Und bastelt aus diesem Gefühl dann wunderschön verschachtelte Emo-Epen zusammen. Was tagsüber akribisch zusammenkomponiert wurde, wurde nachts in zwei, drei Takes hemdsärmelig live runtergerockt – und fertig. Wenn trotz 24-7-Arbeitszeit doch noch Freizeit übrig ist, stürzt sich der bekennende Workaholic Hajjar übrigens auf sein Elektro-HipHop-Projekt Nakia. Als Ausgleich. Die Chemie muss eben stimmen.