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»Kintsugi«

Spalter zu Death Cab For Cutie

Nicht nur auf dem neuen Death-Cab-For-Cutie-Album selbst schwappen die Emotionen hoch, sondern auch unter den Kritikerkontrahenten. Wer ist denn nun mehr emo, wer gewinnt den Hauptpreis der Sensibilität? Am Ende gar DCFC selbst?
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Wie konnte das nur passieren? Nicht nur, dass »Kintsugi« ein fürchterlich schlechtes Album ist – es hat dazu auch noch die eigentlich so verschworene Indie-Bruderschaft Death Cab For Cutie gecrasht. Eine Erklärung könnte gekränkter Männerstolz sein, der entgegen dem flachen Klischee auch bei »sensiblen Indie-Typen« eine zentrale Rolle spielt: Durch die Verpflichtung von Rich Costey (Muse, Frank Turner) als erstem externen Produzenten eines DCFC-Albums wurde Gitarrist Chris Walla quasi entmannt, sodass er während der Aufnahmen beschloss, die Band nach Ende des Produktionszyklus’ zu verlassen. Hört man »Kintsugi«, muss man ihn verstehen: Der neue Sound, gerade der von Wallas Gitarren, nimmt der Band so viel Atmosphäre und Dichte, dass es ein Jammer ist. Zudem ist Ben Gibbards sehr ruhig ausgefallenes Songwriting eigentlich auch nur noch durch saturierte, emotional stabile Mittelmäßigkeit gekennzeichnet. Genau das ist es auch, was nach »Kintsugi« von den einstigen Indie-Helden noch bleibt. Und das sagt jemand, der sogar »Codes And Keys« noch mit Händen und Füßen verteidigte. Ich bin so enttäuscht. (CS)


+ Ach du Scheiße, Kollege Steinbrink wird emo und kommt zum vernichtenden Fazit, er sei »so enttäuscht« von diesem Album. Man beachte das »so«! Ich möchte jetzt bloß noch »so« gerne verstehen, warum denn eigentlich. Denn das zugegeben etwas kitschig benannte »Kintsugi« ist wirklich toll – auf eine unaufgeregte, erdige, ehrliche Art und Weise. Uncoole Adjektive, I know, aber das macht die Sache ja nicht falscher. Obwohl ein Muse-Produzent den mittlerweile ganz ausgeschiedenen Chris Walla am Mischpult ablöste, klingen die stärksten Songs »Hold No Guns«, »You’ve Haunted Me All My Life« und »No Room In Frame« eher unbehauener als zuvor, und gerade das tut DCFC ungemein gut. Die »Walla of Sound« (bitte an dieser Stelle auf die Schenkel klopfen) konnte man ja zuletzt kaum noch ertragen. »Kintsugi« atmet also eher den meinetwegen soliden Geist des letzten Gibbard-Soloalbums, das zwar keine stilistischen Überraschungen mehr im Ärmel hatte, aber immer noch eine Stimme, mit der er selbst das Telefonbuch von Seattle oder gar Friesoythe zum Hit singen könnte. Ich bin »so« zufrieden. (DK)
– Death Cab For Cutie »Kintsugi« (Atlantic / Warner / VÖ 27.03.15)

Death Cab for Cutie

Kintsugi

Release: 27.03.2015

℗ 2015 Atlantic Recording Corporation for the United States and WEA International Inc. for the world outside of the United States. A Warner Music Group Company