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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Heartthrob«

Spalter: Tegan And Sara

Die superfeschen Zwillinge hatten mit ihren letzten beiden Alben nicht mehr viel Neues zu bieten. Nette Nischenwork. Doch nun dreht sich plötzlich das Kirmesrad. Tegan And Sara machen in Bubblegum und David Guetta. Alte Kunden verprellen oder neue Herzen erschließen?
Geschrieben am
+ Wie jeder Mensch, der nur einen Funken Anstand besitzt, bin ich begeisterter Fan von dem Schwesternpaar Tegan And Sara. Wobei mich diese Begeisterung durch zuletzt zugegeben eher mediokre Alben schickte. Die Intensität ihrer Zerbrechlichkeits-Folk-Frühwerke war nicht mehr zu holen. Umso schlüssiger und großartiger der Move, nun mit »Heartthrob« ihrem anderen Lieblingsthema eine Platte zu schenken: cheesy herzlicher Dance-Pop. Klar, dass da distinktionsgegerbte Indie-Nilpferde wie Küllenberg von nebenan straucheln. Hier regieren Spaß und Naivität, hier wird aus der bitteren Pille eine köstliche saure Zunge. Die Beats, die Synthie-Sounds, die Hooklines – all das schert sich einen Dreck um die klassische Coolness, die sich manisch vom Mainstream abgrenzen muss, um sich so ihrer selbst zu versichern. Tegan And Sara im Hier und Jetzt hingegen umarmen das ganze pulsierende rosa Paket voll Rave-Signalen und David-Guetta-Püppchen. Doch gerade wegen dieser unprätentiösen Annäherung spürt man sofort eine Differenz zum entseelten Kommerz-Pop. Somit schafft dieses Album alles: Man kann den guten Spaß aus den Charts haben, und dahinter schlägt auch noch ein großes Herz. Love, Love! (Linus Volkmann)

Wie alt darf man werden, bevor es zu spät für die Madonna’fizierung ist? Tegan And Sara bereitet die Frage seit Langem schlaflose Nächte, daher vollzieht das Duo mit dem neuen Album eine Neuausrichtung seiner Karriere. Das kanadische Zwillingspaar setzt jenes Schäferstündchen mit dem Pop-Mainstream konsequent fort, das es 2012 mit der David-Guetta-Kollabo »Every Chance We Get We Run« begonnen hatte. Ja, richtig: David Guetta! Tegan And Sara machen jetzt also Musik, um Sekretärinnen Wodka-Energy auszugeben oder den Realschulabschluss nachzufeiern. Das Ergebnis: ein Kopfschütteln, Dance nach Schablone XY. Ist das mit Anfang 30 die Midlife-Crisis? Fast scheint es, als hätten die beiden erkannt, dass sich mit dem niedlichen Image zwischen inzestuöser Queerness und naiver Indie-Romantik erst im Boulevard-Business so richtig abkassieren lässt. Beth Ditto hat vorgemacht, wie man in der Disco ankommt und die Verkaufszahlen steigert, ohne die eigene Integrität als Szene-Aushängeschild und alternatives Role-Model zu untergraben. »Heartthrob« ist nur eine weitere White-Trash-Kirmes-Variante all dessen. Denn statt grinsend neben Lagerfeld bei den Pariser Modenschauen in der ersten Reihe zu sitzen, landen Tegan And Sara mit der Single »Closer« direkt bei Ke$ha im Trailer-Park. Der Lipgloss perlt, das Dosenstechen kann losgehen. (Bastian Küllenberg)