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Spalter: "Plastic Beach", Pro & Contra

Gorillaz

Über alle Zweifel erhaben, verströmten sie großzügig Coolness und Style in die Breite. Doch: Das war vor Jahren. Und was ist jetzt?
Geschrieben am
Vom Leben gezeichnet, von Damon Albarn geküsst: Die Gorillaz wurden im letzten Jahrzehnt zu einer Art Simpsons der Charts. Über alle Zweifel erhaben, verströmten sie großzügig Coolness und Style in die Breite. Doch: Das war vor Jahren. Und was ist jetzt?

Pro:
Tun wir doch für einen kurzen Moment noch mal so, als sei 2001: Wir nicken im Takt zu "Clint Eastwood" und erfreuen uns an den apokalyptischen Anime-Videos mit Charakteren namens Noodles und 2D auf Viva Zwei. Blur liegen in den letzten Zügen, was uns aber egal sein kann, solange Damon Albarn mit seinem Partner Jamie Hewlett die animierte Fantasyband Gorillaz mit Leben füllt. Kurzum: Die künstliche Band war in ihrer Hochphase in Form und Inhalt heißester Scheiß.

Seit dem zweiten Album "Demon Days" sind aber nun auch schon wieder fünf Jahre vergangen, eine ziemlich lange Zeitspanne gerade in Pop, was man allein schon daran sieht, dass es Blur zwischenzeitlich wieder gibt, Musikfernsehen im TV aber mittlerweile nicht mehr. Das letzte musikalische Lebenszeichen der Band war zu allem Überfluss auch noch eine praktisch unhörbare obskure Oper namens "Monkey: Journey To The West", die nicht in den Kanon zeitgenössischer Popkultur aufgenommen wurde.



"Plastic Beach" nun stellt einen durchaus gelungenen Flashback dar, die erste Single "Stylo" featurt neben überpräsenten Synthies gekonnt alte Heroen wie Mos Def und führt damit die beliebte Gorillaz-Kollabo-Tradition fort - auf Album Nummer drei liest sich die Gästeliste tatsächlich wie eine Hälfte der MTV Awards (Snoop Dogg, De La Soul) oder alternativ das Indie-Dschungelcamp (Mark E. Smith, Lou Reed). Was entgegen mancher Erwartungen aber nicht zum Schlechtesten gereicht - immerhin ist das Leben am "Plastic Beach" genauso bekifft-entspannt, voll geiler Bass- und schillernder Hooklines und letztlich eben auch toller Popmomente wie damals 2001. Vielleicht in diesem Fall sogar: poppigerer Momente als je zuvor im Gorillaz-Kosmos.
Peter Flore

Auf der nächsten Seite: Der Gegenschlag von Felix Scharlau...


Vom Leben gezeichnet, von Damon Albarn geküsst: Die Gorillaz wurden im letzten Jahrzehnt zu einer Art Simpsons der Charts. Über alle Zweifel erhaben, verströmten sie großzügig Coolness und Style in die Breite. Doch: Das war vor Jahren. Und was ist jetzt?

Contra:
Ein Hoch auf alle Bands, die eine überkandidelte Inszenierung dem Starkult vorziehen. Dieser Gestus war es, der einst The KLF zur besten Pop-Band aller Zeiten veredelte. Dass sich Gorillaz seit 1998 dem Promo-Hamsterrad verweigern, indem sie aus der Vision der Mensch-Maschine Mensch-Cartoons machten und deren Figuren auf die Bühnen schickten, schien zunächst vergleichbar interessant. Aber wo die Inszenierung bei Kraftwerk, The KLF oder The Residents eine Haltung oder Idee transportierte, blieb bei Gorillaz immer der Verdacht haften, die Musiker gäben sich womöglich nur einer ulkig-bürgerlichen Maskerade hin, weil sie zu faul für den normalen Band-Stress geworden waren. Zurück blieb ein Brachland aus Zweifeln, das mit grellem Merchandise-Krempel notdürftig getarnt wurde. Bisher war all das völlig egal: Millionen Fans hatten einen sehr guten Vertrag mit Gorillaz. Sie ertrugen jede weitere harmlose Fantasy-Nuance, solange sie als Faustpfand die Überhits erhielten, die entlang des (ganz ehrlich doch auch nur leidlich coolen) Gorillaz-Popmixes abfielen. Diese Hits, und nur sie, sicherten den Burgfrieden.

Bis heute. Denn um es kurz zu machen: Heute hat "Plastic Beach" nur noch einen halben guten Refrain (den von "Stylo") - und der holt sich seine Hookline auch noch völlig unironisch bei "Stayin' Alive". An dieser für Bands normalerweise nicht tragischen Neuentwicklung (EIN schlechtes Album, na und?) gerät das schiefe Pop-Kunstwerk Gorillaz plötzlich gefährlich in Schräglage. So verdient sich Albarn und Co. um die Pop-Welt gemacht haben - das Hologramm verblasst eben, wenn im Kreativzentrum die Batterie leer ist. Und dann bleibt was übrig? Genau: nichts.
Felix Scharlau

Mehr Spalter gibt es unter www.intro.de/spezial/spalter.

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