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»Guten Tag«

Spalter zu Paul Kalkbrenner

Stadien zu füllen ist keine zu unterschätzende Leistung. Doch Stadien, die füllte zuletzt auch Mario Barth. Was soll man also halten von der Massenhypnose Kalkbrenner? Wir können uns einfach nicht einig werden.
Geschrieben am
+ Es muss einige Monate nach dem Kino-Start von »Berlin Calling« (2008) gewesen sein, als die demonstrative Ablehnung von Paul Kalkbrenner zum ultimativen Move der Schulhof-Distinktion wurde. Der Soundtrack zu Hannes Stöhrs Szene-Drama steuerte rapide auf den Gold-Status zu, und plötzlich wollte es keiner mehr gewesen sein.

Während das alte Lied vom Sell-out weniger überraschte, konnte sich der aufmerksame Beobachter doch zunehmend darüber wundern, wie das polarisierende Image des Berliners auf die Musik abfärbte. Denn im Grunde machte Kalkbrenner nichts anderes als das, was er schon vor zehn Jahren gemacht hatte: melodieverliebte Techno-Hymnen aus dem Ärmel schütteln. Heute könnte man Kalkbrenner höchstens vorwerfen, dass der Variantenreichtum seiner frühen Alben etwas nachgelassen hat. Waren Platten wie »Self« (2004) oder »Zeit« (2001) noch von einer gewissen Experimentierfreude geprägt, beschränkt er sich mit »Guten Tag« auf die funktionaleren Aspekte seines Schaffens. Aber solange er das immer noch auf einem derart hohen Level ausagieren kann, ist Kritik daran nur das, was sie schon immer war: Schulhof-Distinktionsgequatsche.
(Philip Fassing)

– In den letzten Jahren hat sich die Firma Kalkbrenner zum Global Player entwickelt, die dem Publikum scheinbar alles unterjubeln kann und von diesem Privileg auch reichlich Gebrauch macht. Hatte das letztjährige »Icke wieder« schon seine schwachen Momente, scheint es sich bei »Guten Tag« nur noch um Ausschussware zu handeln. Siebzehn Mal Baukasten-Techno der langweiligsten Sorte, lieb- und lustlos aneinandergereiht, ohne jegliche Dramaturgie oder Überraschungsmomente. Man mag es nennen, wie man will: Fingerübung, Studiojam, Preset-Spielerei – ein richtiges Album ist »Guten Tag« jedenfalls nicht. Allenfalls ein Vorwand, wieder auf Tour gehen zu können, denn dort holt der Paule bekanntlich den Most. Der Berliner scheint es sich auf seinem Thron leider allzu gemütlich gemacht zu haben. Die Alben des kleinen Bruders Fritz klingen schon wesentlich leidenschaftlicher und sind produktionstechnisch auch deutlich interessanter.
(Sebastian Ingenhoff)

PAUL KALKBRENNER MUSIK (Rough Trade)

GUTEN TAG (Limited Deluxe Edition 2 CD)