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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Spalter: »OST: Tron: Legacy«, Pro & Contra

Daft Punk

Daft Punk sind seit Jahren das Traumpaar des elektronischen Dance-Königshauses. Bloß haben sie eigentlich seit Jahren keine relevante Platte mehr veröffentlicht. Kann ihr »Tron«-Soundtrack das ändern?
Geschrieben am
Pro: Spricht man 2010 über Daft Punk, dann muten die beiden Franzosen wie Göttergestalten aus altgriechischen Sagen an. Sie sind über jede Kritik erhaben. Ihre Shows entfachen das größte Spektakel, das weltweit zu elektronischer Musik überhaupt geht - da können Richie Hawtin und Jean Michel Jarre einpacken. Das Interessante dabei ist jedoch: Wann fand man zuletzt einen Song der beiden so richtig gut? Also so richtig! Wo auf dem Debüt »Homework« noch jeder Track eine Offenbarung in House und Disco war, hat sich das Feld danach gelichtet.

Der Nachfolger »Discovery« erschien leicht hüftsteif, danach wusste man schon, warum erst mal die Live- und Remixalbenfabrik angeworfen wurde. Klar, »One More Time«, dieses cheesy Monster unter Roman-Anthony-Einfluss, und auch »Harder, Better, Faster, Stronger« nahmen uns noch mal so richtig ran. Aber sonst? Genau: Sonst sind Daft Punk zu einer Trademark wie Kraftwerk geworden. Größer als ein singulärer Track. Ja, größer als ihr Sound. Insofern könnte es niemand Passenderen geben, um den ebenfalls monolithischen Klassiker »Tron« zur Neuverfilmung zu vertonen. Das Daft-Punk-Album liefert dementsprechend keinen Neuentwurf, sondern ein kongeniales Remake seiner selbst. Und erscheint damit majestätisch erhaben - diese Rolle steht den Franzosen am besten, darin sind sie auch hier wieder unschlagbar.
Thomas Venker 

Contra: Es fällt mir nicht leicht, das zu schreiben, fürchte zudem, die Hölle tut sich auf, aber es muss raus: Thomas Venker hat recht. Daft Punk sind das ultimative Eventbüro für tanzkompatiblen Electro-Pop. Ja, ihre Neunziger mit »Homework« ... Wer würde ihnen dieses Pfund absprechen? Und die frühen Nuller mit »Harder, Better, Faster, Stronger«, »One More Time«, eingebettet in diese sonst fast stumme Manga-Oper - alles klar. Bloß: Den Kram hat doch jeder. Warum also, verdammt, soll man sich deshalb einen Soundtrack zulegen, der von vorne bis hinten eben nicht »Innovation« oder »Hits« ruft, sondern »Auftragsarbeit« murmelt?

Daft Punk, der Mega-Event zwischen Maskenball, Genie und Großraum, können meinetwegen nur noch Live-Zirkus machen, wenn »Tron« allen Ernstes ihr neuer Album-Entwurf sein soll. Grummeliger Filter-House, der sich flott von links nach rechts knarzt. Herrlich halbgares Selbstzitat, erstickt unter dem allzu dankbaren Aufhänger von »Tron«s Retrofuturismus. Da haben sich zwei Welten gefunden und sofort zusammengerauft. Gefällig mag es sein - wenn die beiden Franzosen aber nicht Underworld (also Maskottchen eigener glanzvollerer Tage) sein wollen, dann ab in die Remix-Minen und den Eindruck dieses entbehrlichen Albums wieder verwischen.
Linus Volkmann


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