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»Ælita«

Spalter: Mando Diao

Das abartig hässliche oder, neutraler formuliert, ernsthaft irritierende Cover gibt die Richtung vor: Mando Diao machen nach dem auf Schwedisch gesungenen und hierzulande sträflich ignorierten Folk-Album »Infruset« weiterhin keine Anstalten, wieder auf ihren chartserprobten Garagenrock einzuschwenken. Im Gegenteil ...
Geschrieben am
+ Man hört sie laut wie einen Kanonenschlag: Fans, wie sie sich die Hände vors Gesicht schlagen, fassungslos darüber, dass ihre geliebten Schwedenrocker Mando Diao jetzt eine Popband sein sollen. Sakrileg! Aber habt ihr schon mal darüber nachgedacht: Die bleichen Buben könnten ja jetzt erst zu ihrem wahren Stil gefunden haben, sich erst jetzt getraut haben, die Musik zu spielen, für die ihr Herz schlägt. Endlich unter ihrem richtigen Namen, nicht nur mit dem Seitenprojekt Caligola. »Ælita« liefert zumindest genügend Anhaltspunkte für diese Sichtweise. »Rooftop« etwa, noch mehr als der eigentliche Single-Hit »Black Saturday«. Natürlich sind Mando Diao mit ihrem siebten Album keine Filigranpopper geworden, die Füße tickern weiterhin nervös am Gaspedal rum. Das Album hat aber zudem einen lässigen, coolen und glamourösen Charme, der an Helden des Electro-Pop wie Zoot Woman oder New Order zumindest denken lässt. Deren Fans könnten in »Ælita« das mit Abstand aufregendste Mando-Diao-Album finden. Vorausgesetzt, sie sind offen genug, der Band im neuen Gewand eine Chance zu geben und sie nicht nur als rüde Rock’n’Roller gelten zu lassen.
(Christian Steinbrink)

– Es ist aber auch verhext für eine Rockband, die für einen Moment den Zeitgeist einer Generation einfangen, ja, abbilden konnte. Mando Diao hatten diese Ehre beziehungsweise diese Bedeutung, Alben wie »Ode To Ochrasy«, Songs wie »Dance With Somebody« oder »Down In The Past« nagelten die lässigen Kids auf dem Dancefloor der Indie-Discos. Doch was kommt danach? Diese Frage mussten schon die Beatles beantworten und hatten da mit Selbstfindung, Spiritualität, Yoko Ono, Drogen und Ashram auch einiges zu bieten. Gewöhnlich gibt es aber nur zwei Wege: den eigenen Sound bis zur Selbstaufgabe zu konservieren und vom Zeitgeist in Nostalgie überzusetzen (vergleiche Kaiser Chiefs), oder man macht »was Neues« – das ist dann ja meistens noch schlimmer. Geläuterte Gangsta-Rapper, anspruchsvolle Platten von NuMetal-Trotteln? Beware! »Ælita« kennt kaum weniger Gnade und zeigt uns Nippon-infizierte, albern artifizielle Schwedenrocker. Meinetwegen ehrbar, aber dennoch ein kolossaler Reinfall. Die Pose der klinisch garagigen Boys stand ihnen gut, als Daft Punk mit Gitarren wirken sie wie schlecht gemachtes Falschgeld. 
(Linus Volkmann)

Vertigo Berlin (Universal Music)

Aelita