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Spalter: "Humbug", Pro & Contra

Arctic Monkeys

"Die Arctic Monkeys werden so groß", tönte es bereits vor deren erstem Album. Und es wurde wahr. Und jetzt? Will man den Ruhm auf hohem Niveau verwalten, den Sound aber lieber ganz anders. Na, wenn das mal gut geht ...
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"Die Arctic Monkeys werden so groß", tönte es bereits vor deren erstem Album. Und es wurde wahr. Und jetzt? Will man den Ruhm auf hohem Niveau verwalten, den Sound aber lieber ganz anders. Na, wenn das mal gut geht ...

Pro
Groß sind sie geworden, die Arctic Monkeys, und mit ihrem neuen, dritten Album wollen sie das alle wissen lassen. Also nicht im Sinne von erfolgreich, eher dem von erwachsen, auch wenn das bei vier wenig über 20-Jährigen sicher nicht der korrekte Begriff ist.

Wer jedenfalls jemals davon sprach, dass die Musik der Sheffielder catchy und einfach gestrickt sei, bekommt mit "Humbug" ausdrücklich eine ganz neue Seite vorgezeigt. Die Band hat gelernt, sie hat gelesen und zugehört, und die daraus resultierenden Entwicklungen sind allein schon deshalb mehr als ehrenwert. Eine hervorstechende Inspiration dürfte der schillernde Breitwandpop der Sechziger gewesen sein, mit dem sich Sänger Alex Turner als Last Shadow Puppets zwischendurch äußerst gekonnt die Zeit vertrieben hat. Auf der anderen Seite stehen Arrangements, die in ihrer rhythmischen Komplexität und Vielseitigkeit bis an die Konfusionsgrenze wohl als Beweis für Mut gewertet werden sollen und die so manchem erfolgsorientierten Produzenten sicher den Angstschweiß auf die Stirn getrieben hätten. So ist "Humbug" kein eingängiges Hitalbum, sondern eine Investition in Substanz, die überdauern soll. Und zumindest einigen wird sich die Band in einem neuen, deutlich spannenderen Licht offenbaren. Ich zum Beispiel finde, dass die Arctic Monkeys mit ihrer neuen Platte besser sind als jemals zuvor. Sie kratzen erstmals an ihrem vollen kompositorischen Potenzial, das am Anfang wohl niemand außer ihrer treuen Plattenfirma richtig einzuschätzen wusste. Und es ist unschätzbarer denn je, in welche Richtungen ihr Weg in Zukunft führen wird. Sicher ist nach "Humbug" nur: Spannend wird es bleiben.
Christian Steinbrink

Auf der nächsten Seite: Das "Contra" von Raphael Schmidt.


"Die Arctic Monkeys werden so groß", tönte es bereits vor deren erstem Album. Und es wurde wahr. Und jetzt? Will man den Ruhm auf hohem Niveau verwalten, den Sound aber lieber ganz anders. Na, wenn das mal gut geht ...

Contra
Schon von der Bekanntmachung an bis hin zur Veröffentlichung dieser Platte war logisch, dass sie ein Hit wird. Nicht etwa wegen Musik, viel eher wegen des Zwangskonsens', der sich um diese Band seit deren kometenhaftem Aufstieg rankt. Den Rest macht der Konsument von alleine. Egal, was nun wirklich auf der Scheibe zu finden ist. Ist auf jeden Fall hip, passt schon. Wer sich aber wirklich mit der Platte auseinandersetzt, darf ernsthaft enttäuscht sein. Der wirre Humbug stammt zum Großteil von Wüstenprolet Josh Homme - das hätten dabei sicher die Wenigsten gedacht. Aber taktisch klug mag dieser Zug natürlich schon sein: Da vereinen sich die Indiekids, die gerade erst den "Favourite Worst Nightmare"-Schock überstanden haben, und die, die sehnlichst Hommes "Desert Sessions" vermissen - und beide hoffen auf ihre jeweilige Offenbarung. Was man aber bekommt? Hommes Ergüsse aus Ideen, die ihm für seine Hauptprojekte wohl nicht gut genug waren. Und dabei verlieren die Monkeys komplett an Credibility - was dann im Interview unter dem Euphemismus "natürlicher Prozess" deklariert wird. Pah! Wobei man auf "Humbug" immer noch deutlich merkt, wer hier für welche Passage Verantwortung trug. Ob nun James Ford auf die verklärte Romantik der Last Shadow Puppets setzt oder Homme auf Wüsten-Ästhetik - irgendwie scheinen sich die Arctic Monkeys mit diesen Stücken selbst im Weg zu stehen. Man würde gern verschachtelt clever klingen, nicht länger bloß Idol der Indiekids sein. Aber: alles fehlgeschlagen. Was bleibt, ist ein staubiges Etwas, das eher im Hals denn im Ohr stecken bleibt. Da bringt auch "Pretty Visitors" nichts, der einzige Song, der vielleicht auf das Debüt gepasst hätte - als Hidden-Track.
Raphael Schmidt

Arctic Monkeys "Humbug" (Domino / Indigo)