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»Ded Sec – Watch Dogs 2 OST«

Spalter: Hudson Mohawke

Heutzutage kann es also auch der Soundtrack eines Videospiels sein, der die Gemüter zum Überkochen bringt. Ist Hudson Mohawke mit seinen Beiträgen zu »Ded Sec« nun der längst überfällige kritische Kommentar zur digitalisierten Welt gelungen, oder offenbart er sich bloß als eifriger Dienstleister?
Geschrieben am

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Spätestens seit seinem Überhit »Chimes«, den man seit zwei Jahren in gefühlt jeder zweiten TV-Show hört, ist der Schotte Ross Birchard als Produzent in den Pop-Olymp aufgestiegen. Nicht nur Anohni und Björk holten sich Hudson Mohawke ins Boot, sondern auch Yeezy alias Kanye Yeezus West höchstpersönlich fragte für »Life of Pablo« in Schottland an. Mittlerweile ist Mohawkes Trademark-Kombination aus Dubstep und Bass-Musik-Einflüssen, die meist durch die sehr prägnanten Trompeten-Orgeln getragen werden, ikonisch geworden. Kein Wunder also, dass Ubisoft für den Nachfolger ihres Spiele-Hits »Watch Dogs« bei ihm anfragte und eine Zusage bekam. Das langerwartete Sequel zum Hacker-Open-World-Spiel, das in einer nicht allzu fernen Zukunft spielt, hat nun auch einen Future-Soundtrack. Für Birchard kein Problem, da seine Tracks schon seit eh und je viel Futurismus versteckten, respektive offen auslebten. »Ded Sec« macht sich dabei nicht nur gut als Soundtrack für die Ohren der Gamescom-Besucher, sondern verhehlt nie seine Auseinandersetzungen mit den großen Film-Soundtrack-Produzenten. John Carpenter wird natürlich auch als Referenz gedroppt. Aber warum sollte man heute auch noch unterscheiden, in einer Zeit, in der sich das Spielevergnügen immer weiter an filmische Erzählweisen annähert und die Grenze zum spielbaren Film schon lange verwischt ist? Hudson Mohawke scheint auf diesen Moment gewartet zu haben; immerhin stellt er hier seine bis dato beste Arbeit zur Schau. Ein Album, das, auch ohne den Controller in der Hand zu haben, sehr viel Spaß macht.
Lars Fleischmann


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Wenn der Kollege Fleischmann mutmaßt, dass Hudson Mohawke nur auf die Gelegenheit zur Produktion dieses Albums gewartet hat, kann man ihm in dieser Hinsicht eigentlich nur beipflichten. Wie viele andere namhafte Produzenten seiner Generation wagte schließlich auch der talentierte Schotte seine ersten Schritte als Produzent auf einer PlayStation. Der Rest ist Geschichte und hat nicht zuletzt auch seinen Teil dazu beigetragen, Sonys 1994 veröffentlichte Konsole in den Kanon der mythenstiftenden Popkultur-Relikte aufzunehmen. Folgt man nun noch der Annahme, dass Hudson Mohawkes fahrig überzeichneter Instrumental-HipHop von Beginn an immer auch als Ausdruck des Informations-Overkills der Digitalisierung zu verstehen war, dann schließen sich hier gewissermaßen gleich zwei Kreise. Umso bedauerlicher, wenn sich diese Vorzeichen dann doch nur bedingt auf die musikalische Qualität des Soundtracks niederschlagen. So muten viele der Titel lediglich wie bloße Fingerübungen an, denen im technologiegetriebenen Videospiel-Kontext schlichtweg die kritische Distanz zu den fragwürdigen Aspekten der Digitalisierung verloren geht, die für gewöhnlich im Subtext von Hudson Mohawkes Musik mitschwingen. Somit ist »Dead Sec« alles andere als ein Opus Magnum, sondern bloß eine reine Fan-Angelegenheit.
Philip Fassing

Hudson Mohawke

Ded Sec - Watch Dogs 2 (Original Game Soundtrack)

Release: 11.11.2016

℗ 2016 Warp Records

Hudson Mohawke »Ded Sec – Watch Dogs 2 OST« (Warp / Rough Trade / VÖ 11.11.2016)