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Everyday Robots

Spalter: Damon Albarn

Middle-Age-Melancholie statt Sturm und Drang bei Mister Blur-Gorillaz? Popland und seine Kolonien lechzen nach einem neuen Blur-Album, doch der Querkopf aus West-London serviert just zu diesem Zeitpunkt sein experimentellstes Werk ever, sieht man von seinen Weltmusik- und Opernexkursen ab.
Geschrieben am

+ Das ist ein tragisch schönes Balladen-Album – definitiv keine Singles-Maschine. »It’s hard to be a lover / When the TV is on«, singt er in »The Selfish Giant«. Monotone und schräge Beats mischen sich mit grandiosen Melodien, Klavier und Streichern – alles getragen von Albarns eindrucksvollem Gesang, dem sich die ausgefeilten Arrangements unterordnen. Der Einfluss von Richard Russell, mit dem Albarn bereits bei Bobby Womacks »The Bravest Man In The Universe« zusammenarbeitete, ist stets hörbar.

»Everyday Robots« mag für Albarn auch eine Rückschau sein, wie die großartig-traurige musikalische Miniatur-Autobiografie »Hollow Ponds« zeigt: »Half my road was now a motorway in 1991.« Die Blur-Superpopstar-Jahre eben. Mehr Heiterkeit dann zum Abschluss mit dem von Brian Eno gesungenen Gospel »Heavy Seas Of Love«. Albarns Fähigkeit, fantastische Balladen zu schreiben, hat er in seiner Karriere unzählbar oft unter Beweis gestellt. Ein herausragendes Werk ist »Everyday Robots«, weil er diese Virtuosität noch nie in einer solchen Intensität auf Albumlänge festhielt.

Annette Walter

 

Es gibt Künstler, die auf der Flucht vor ihrer Herkunft sind, und jene, die immer weiter gegen sie rebellieren. Es gibt solche, die ihre Herkunft zur Waffe machen, und Typen, die sich in ihr verkriechen wie in einem Schneckenhäuschen. Damon Albarn, Anfang der 1990er-Jahre nach den ersten Erfolgen von Blur schnell zur aufrechten Cool-Britannia-Ikone gemausert, gehört zur Schneckenhäuschen-Kategorie. Nach einer 25-jährigen Karriere, in der auch nicht alles scheiße war, was glänzt, spürt er den Stationen seines Lebens nach. Auf der Schleimspur der eigenen Identität. Wenn es für ihn auf der Welt schon nichts Spannenderes gibt als ihn selbst, hätte der gute Damon in den getragenen Heliumsoul-Nummern, den ausbuchstabierten Sentimentalitäts-Schüben und den zwangsnaiven Kinderliedern doch wenigstens auch von der Gesellschaft drum herum erzählen können. Stattdessen liefert er die Memoiren eines talentierten Bubs ab, dem man ein paar Mal zu oft gesagt hat, wie talentiert er ist. Es ist nicht mal ein guter Song darunter, um genau zu sein. Kann man also getrost im »Hollow Pond«, wo er als Kind Schwäne fütterte, versenken, das Ding.

Paula Fuchs

 

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