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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Lines«

Spalter: Charlie Cunningham

Wie grell müssen die Reize von Popmusik blinken, damit ihren Hörern nicht die Augen zufallen? »Lines«, das Albumdebüt von Charlie Cunningham, zeigt sich eher sacht und introvertiert. Aber ist »Langeweile« für diesen Folk die richtige oder die fahrlässige Bewertung?
Geschrieben am

Eines kann man dem Londoner Charlie Cunningham nicht zum Vorwurf machen: Dass seine Musik per se auf Eingängigkeit setzt. Tatsächlich ignoriert er das Strophe/Refrain-Schema ein ums andere Mal. Das Problem ist vielmehr, dass er seine Stimme wie ein Leierkasten über in der Summe langweilige, da ereignislose Soundkulissen legt. Synthie-Flächen deuten immerhin an, dass hier eine zumindest nicht allzu vorhersehbare Version von Folkmusik hätte entstehen können. Doch es hilft nichts. Die eine oder andere schöne Melodie wie in »Lights Off« oder »Breather« kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier einfach zu wenig passiert. Der Hörer wird zum Wartenden degradiert. Und wie das mit dem Warten so ist: Irgendwann wird es langweilig. Richtig wütend wird man allerdings nicht, denn dafür ist die Musik des Briten dann doch zu geschmackvoll.
Kai Wichelmann

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Was haben diese abgefeimten Popkritiker nur für ein Problem mit reduziert instrumentierter, atmosphärisch eingängiger Musik? Was ist falsch an »Gefühligkeit«, Introvertiertheit und Aufrichtigkeit gegenüber eigenen Emotionen? Die Phrasen, mit denen Alben wie das von Charlie Cunningham immer wieder in Bausch und Bogen abgewatscht werden, sind zumeist nicht mehr als das und überdies reichlich einfältig. Tatsächlich beweist diese lang erwartete LP nach drei herausragenden EPs und ausverkauften Shows den britischen Songwriter als ein Talent in Sphären eines José González, auf dessen Label »Lines« auch erscheint. Es ist zwar wahr, dass Cunningham auf diesem Album ein wenig eingängiger geworden ist, und man vermisst die instrumentalen Ausflüge seiner Konzerte, etwa in Richtung des Flamenco. Allerdings hat er in seiner ganzen stilistischen Spannbreite immer noch weit mehr zu bieten als die gängigen Charts-Songwriter, er rekurriert sowohl auf alte Folker wie Cat Stevens als auch auf forschende Spezialisten wie Matt Elliott oder Alexi Murdoch. Darüber hinaus arrangiert er gerade die bereits von den EPs bekannten Songs sehr gekonnt um und denkt sie sacht und betulich, aber keineswegs unspektakulär weiter. Daraus folgt aber auch der einzige Kritikpunkt, den ich gegenüber »Lines« vorbringen kann: Das Album hätte weniger bekannte und mehr neue Songs haben dürfen. Das ist aber auch schon alles.
Christian Steinbrink

Charlie Cunningham

Lines

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Charlie Cunningham / Dumont Dumont