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»Beatsteaks«

Spalter zu Beatsteaks

Welche Band kann schon von sich behaupten, ihren Pressetext von einem Star wie dem 11Freunde-Kolumnisten Günter Hetzer spendiert zu bekommen? Nur die Beatsteaks. Treffen sich hier deswegen nun Fußball-Fans und -Hasser im Infight? Kann man so sagen.
Geschrieben am

Beatsteaks machen Musik für tätowierte Beamte, die sich beim Wochenendgrillen wie die Dorfguerilla fühlen, wenn sie ihre AC/DC-iTunes-Datei bis zum Anschlag aufdrehen. Schon die top motiviert in die Eröffnungsnummer »A Real Paradise« hineingebrüllte Begrüßung »Good Morning!« unterstreicht, wie sehr dieses Album im Zeichen von Selbstoptimierung steht. Riffs, die man früher als fett bezeichnet hätte, wurden hier auf drahtig getrimmt. Beatsteaks funktionieren wie eine leicht schnarrende Maschine, die jeden individuellen Ausdruck wegrationalisiert hat. Wenn es stimmt, dass Musik immer irrational ist, dann ist das hier kaum noch Musik. Das Album erschöpft sich in Posen, die Unangepasstheit und Rebellion markieren, aber im Grunde das Gegenteil bedeuten. Aufgedrehte und verzerrte Gitarren überschreiten hier keine Grenzen mehr, sondern bewegen sich stets in den geregelten Bahnen problemloser Vormittagsradiokompatibilität. Deswegen liegt über der ganzen LP ein Nimbus gelangweilter Arriviertheit – Karl-Theodor zu Guttenberg würde zu den Beatsteaks auf dem Sommerfest der CDU Luftgitarre spielen (wenn er eingeladen wäre). Ein Übriges tun die bodenlos hohlen Texte, die immer wieder vorgeben, ein Anliegen zu haben, aber im Grunde nur existieren, weil die Band gemerkt hat, dass sich reimende Wörter in Selbstläufermanier endlos aneinandergereiht werden können. Automatisch für die Leute. 
(Mario Lasar)

+ Gut gebrüllt, Lasar! Kannst ja genauso ungestüm shouten wie der Artistensohn am Beatsteaks-Mikro. Klar kann man Rockstars wie den Berlinern viel unterstellen und vieles als seicht, angepasst, folgenlos interpretieren. Man kann aber auch: Musik hören. Und das Potenzial an treibendem, emotionalem, kreativem und durchaus substanziellem, immer noch aus Hardcore und Punk getränktem Rock erkennen, das die Beatsteaks auf dieser Platte zum ersten Mal in seiner ganzen Vielfalt ausbreiten. Sie könnten es viel leichter haben und ihre Erfolgsformel ein weiteres Mal ausspielen. Was sie stattdessen machen, scheint kurios: Sie wagen einen Albumschnellschuss, der trotzdem so vielseitig klingt wie keine andere Platte in ihrer mit Höhepunkten gespickten Karriere. Viele der elf Songs sind stilistische Experimente, und alle sind nicht nur geglückt, sondern steigern auch den sowieso schon hohen Unterhaltungswert dieser Band. Die Beatsteaks sind nicht populär, weil, sondern obwohl sie gute Musik machen. Das gibt es. Hier ist der Beweis. 
(Christian Steinbrink)
- Beatsteaks »Beatsteaks« (Warner / VÖ 01.08.14)

Warner Music International (Warner)

Beatsteaks