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NYC Ghosts & Flowers

Sonic Youth

Einen schönen Titel haben sie sich da ausgesucht. In wenigen poetischen Worten gelingt es ihnen, das Leitmotiv dieses Albums (und vielleicht aller Sonic Youth-Alben) zu bündeln: Sonic Youth - die personifizierte Musik von New York abwärts der 42nd St (früher); heute ist der von ihnen zu gestaltende
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Autor: intro.de

Einen schönen Titel haben sie sich da ausgesucht. In wenigen poetischen Worten gelingt es ihnen, das Leitmotiv dieses Albums (und vielleicht aller Sonic Youth-Alben) zu bündeln: Sonic Youth - die personifizierte Musik von New York abwärts der 42nd St (früher); heute ist der von ihnen zu gestaltende Klangraum noch beengter. Die Gentrification läßt grüßen. Sonic Youth performieren abermals den nihilistischen Mix aus Artschool, Experimentierfreudigkeit und dem, was sie Pop nennen. Mit ihren 90er-Popflirts hat das heute allerdings nichts mehr gemein. Die Rückkehr zum avantgardistischen Treibenlassen wird fortgesetzt. Ringsherum tobt das Fieber um die Zukunftsmärkte: Aktien, Internet und Global Playing - und Sonic Youth releasen nach den hervorragenden EPs auf dem eigenen Label Sonic Youth Records und dem Millenniumsrückblick "Goodbye 20th Century" ein weiteres Statement zum künstlerischen Status quo, das sich auf vergangene (und leider vielfach vergessene) Tugenden konzentriert. Neu im kreativen Zirkel eingefunden hat sich Jim O'Rourke. Das Chicagoer Arbeitstier produzierte nicht nur, sondern steuerte mit seinem G3-Powerbook auch Frickelelemente bei. Noch dunkler, noch lebendiger (wie Insekten), noch dramatischer klingt die Sonic Youth-Welt. Diese Band hat mit ihrem Gesamtwerk das System auf den Kopf gestellt. Sonic Youth wurden nicht von der Globalisierung vereinnahmt, sondern sie sind ihre eigene geworden. Doch trotz der pessimistischen Grundstimmung haftet der Musik auf "New York City Ghosts & Flowers" immer auch ein Lächeln an. Ein kurzer Gitarrenakkord, ein sanftes Wort, und schon umweht die Geister (der Erinnerungen) einer besseren New Yorker Subkultur auch das Wissen um die daraus gewachsenen positiven Zustände: Bands, die ihren Weg gegangen sind, richtige Sounds, die es an obskure Orte geschafft haben. Das Angenehme an diesem Album ist die ihm eigene Ruhe. Man könnte es gar Souveränität nennen. Sonic Youth pendeln um den eigenen Pol, spannen epische Bögen, sorgen für ein Kribbeln und Zirpen im Raum und kehren doch, wie ein perfekt getimter Bumerang, zurück, zur Idee, zum Ursprung, in das New York, das für sie zugleich Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart ist. Und da sie nun mal Konzeptionalisten vor dem Herrgott sind, kleiden sie die Musik in ein Bild von William S. Burroughs: X-Ray Man - noch so ein Kommentar.