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Ein traumhaftes Paralleluniversum

Son Lux live in Köln

Son Lux schaffen mit altbekannten Lieblingsstücken und Songs vom neuen Album »Brighter Wounds« ein Paralleluniversum, das niemand je verlassen möchte.

Geschrieben am

25.02.2018, Köln, Gebäude 9

Sobald Ryan Lott und seine beiden Gefährten die in farbiges Licht getauchte Bühne betreten, scheint ein Bann über das Publikum in Köln gelegt worden zu sein. Es herrscht ehrfürchtige Stille. Die cineastische Ouvertüre »Forty Screams« baut sich so geschickt und behäbig auf, dass es eine Weile braucht, bis man begreift, was da gerade erklingt. Vielleicht ist es aber auch der unausweichliche Sog, den der Sänger ausübt, der den Verstand benebelt. Ein verzweifeltes »I Had Wanted A Better World For You« richtete Lott an seinen damals noch ungeborenen Sohn und lässt es nun mit zitternder Stimme von den Wänden abprallen. 

Wird ein Kunstwerk zu abstrakt läuft es auf die Gefahr hinaus, dass der Künstler unnahbar und unverständlich erscheint, bis der Betrachter letztendlich den Bezug verliert. Son Lux jedoch schaffen es, trotz ihrer komplexen experimentellen Arrangements immer ihre Zugänglichkeit zu bewahren: Egal, ob sie den 2013 erscheinen Hit »Easy« spielen, oder sich die intime neue Single »Slowly« wie eine Decke über das ausverkaufte Gebäude 9 legt.

Ihre Stücke wirken zuerst berechenbar, türmen sich auf und drohen zu bersten nur um plötzlich eine Wendung zu nehmen und feinfliedrigen Klängen Platz zu machen. Instrumentelle Soli von sowohl Drummer Ian Chang als auch Gitarrist Rafiq Bathia werden durch synthetisches Gezwitscher in Luft aufgelöst – Sekunden später scheint vergessen, dass die akustischen Ausbrüche eben noch den ganzen Raum eingenommen haben. Als Lott erstmals das Wort ergreift erzählt er von seinem besonderen Bezug zu Köln, der Stadt, in der er erstmals in der jetzigen Bandkonstellation Freude auf der Bühne hatte. Heute spielen sie gemeinsam ihre bislang dritte Show hier.

Nach 70 Minuten möchte niemand wahrhaben, dass diese Seifenblase, in der man sich zu befinden scheint, nicht auf ewig bleibt. Noch immer in Trance summt das Publikum die Melodie vom Refrain des neuen Songs »Dream State« – bis Son Lux erneut auf die Bühne treten und ein vielbejubelte Zugabe spielen. Mit »Lost It To Trying« werden wir rücksichtslos zurück in die Gegenwart geschubst. Was bleibt, ist das zugleich berauschende und stechende Gefühl, gerade aus einem schönen Traum geweckt worden zu sein.

Son Lux

Brighter Wounds

Release: 09.02.2018

℗ 2018 Ryan Lott Music under exclusive license to City Slang

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