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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sofa Surfers

Sofa Surfers

Sie haben Gitarren, das Klavier und den Bass, sie haben das Schlagzeug, den Gesang und all das. Sofa Surfers ziehen das Band-Ding durch, aus Überzeugung und der Freude am Zusammenspiel. So, als wäre es das Einfachste und Selbstverständlichste der Welt. Zu sehr belastete das Wiener Quartett, mit ande
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Sie haben Gitarren, das Klavier und den Bass, sie haben das Schlagzeug, den Gesang und all das. Sofa Surfers ziehen das Band-Ding durch, aus Überzeugung und der Freude am Zusammenspiel. So, als wäre es das Einfachste und Selbstverständlichste der Welt. Zu sehr belastete das Wiener Quartett, mit anderen belanglosen Lounge-Produktionen und Knöpfchendrehern in einen Topf gesteckt zu werden. Das mag zum einen am Namen liegen, zum anderen aber auch an der Starthilfe von Richard Dorfmeister, der 1996 zur Blütezeit des Vienna-Sound einen ihrer ersten Songs remixte. Die Geister, die sie riefen!? Auf "Sofa Surfers" dominieren stattdessen klare Strukturen und kompakte Song-Bausteine, die ineinander haken und Halt geben. Ein probates Gegensteuern, erfüllt von purer Soundästhetik ohne Firlefanz, oder ein Überfrachten mit digitalen Effekten. Dank dieser Reduktion rücken die Instrumente ganz nah an den Hörer heran und bewirken eine Transparenz, die allen Kritikern klar machen sollte: Muckertum klingt anders. Der sublime, repetitive Beat bei "Believer" verbreitet zwar eine hypnotische Stimmung, doch die Sofa Surfers können auch anders: "Notes Of A Prodigal", "Say Something" oder "One Direction" überraschen mit Rockriffs und straightem Schlagzeug. Mit der Chill-out-Attitüde ihres Bandnamens haben sie in diesen Momenten nur noch wenige Verknüpfungspunkte. Der Gesang von Studiogast Mani Obeya - eine echte Entdeckung! - bringt soulige Wärme, die sich an der übrigen Besetzung reibt. Wunderschöne Refrainmelodien prägen die ruhigeren Songs "Love As A Theory" und "Never Go Back", die ein vielfältiges, richtiggehend kompaktes Album abrunden. Unter den Sofa Surfers wurde es zu Recht das "rote Album" getauft. Grund genug, mal bei Wolfgang Schlögl nachzufragen:

War es eine bewusste Entscheidung, diesmal den Band-Charakter besonders hervorzuheben? Wenn man nur am Computer sitzt und Parts hin und her schiebt, kommt zu viert keine wirkliche Stimmung auf. Nach dreieinhalb Jahren wollten wir einfach zusammenkommen, spielen und alle Produktionsschritte gemeinsam durchziehen. Es gab allerdings nicht den Vorsatz, ein handgespieltes Album zu machen.

Sondern? Da wir uns keiner Szene verpflichtet fühlen, hatten wir freie Hand. Ein ganz zentraler Punkt war, dass man ein Album mit Gitarre, Bass und Schlagzeug einspielen kann, ohne sich auf reaktionäre Rollenbilder zu beschränken und sich in seiner Entfaltung zu limitieren. Wir sind in unserer Kommunikation nach neun Jahren und nun vier Studioalben ohnehin schon viel weiter.

Wie kam es zum Kontakt mit Obeya, der bislang nur durch das Jazz-Pop-Projekt Soundhotel bekannt ist? Ich hör mich viel um, was in Wien und Österreich produziert wird. Die hiesige Szene ist ohnehin viel zu überschaubar, als dass Ressentiments oder Vorbehalte angebracht wären. Ein befreundeter HipHop-Produzent nahm mit Mani einige Soul-Songs auf, die mein Interesse geweckt haben. Alle Beteiligten waren dann sofort mit ihm als Sänger einverstanden. Wenn man eine Band hierarchisch sieht - vorne der Sänger, hinten die Kapelle -, wäre er sogar noch wichtiger, aber bei uns geht es mehr um ein kollektives Spielen.