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Encounters

Sofa Surfers

Es gibt nicht wenige Leute vom Fach, die den Hype um die Sofa Surfers nie verstanden haben. Manchmal macht es das Musiker-Kollektiv aus Wien den potentiellen Hörern auch nicht gerade leicht. Gut, es war klar, dass das Quartett auf keinen Fall in kaffeehausmäßige Harmlos-Daddelei verfallen würden. Ab
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Es gibt nicht wenige Leute vom Fach, die den Hype um die Sofa Surfers nie verstanden haben. Manchmal macht es das Musiker-Kollektiv aus Wien den potentiellen Hörern auch nicht gerade leicht. Gut, es war klar, dass das Quartett auf keinen Fall in kaffeehausmäßige Harmlos-Daddelei verfallen würden. Aber nicht selten entsteht der Eindruck, dass gerade diese bewusste Distanzierung von typisch Wiener Downbeat-Gemütlichkeit dafür sorgt, dass die Herren Frisch, Holzgruber, Kienzl und Schlögl allzuoft ins andere Extrem verfallen. Sprich: lieblos kachelnde Live-Drums, nervige Rock-Gitarren, unbeholfene Improvisation an der Grenze zum Lärm. Zu gewollt wirkende düstere Eckigkeit mit Ansage, dabei unsexy ohne Ende. Und wenn man das dann als ausgefuchste Kunst mit Pop-Appeal verkaufen will, kann das sowohl live als auch auf Tonträger schon mal ganz heftig nach hinten losgehen. Denn traditionell ist die Grenze zwischen Genialität und dilettantisch schrammelnder Schülerband bei den Sofa Surfers eher schmal. Das ist auch auf dem neuen Album “Encounters” nicht anders. Diesmal hat man sich, dem Albumtitel entsprechend, eine ganze Reihe illustrer Gast-Vokalisten (zumeist Rapper oder MCs) besorgt, die sich in das Gesamtkonzept einzufügen wissen. “Eine Rhetorik interkulturellen Austauschs”, heißt das dann im Info, “bei dem nationale Identität und territoriales Denken in Frage gestellt wird.” Die Reggae-Legende Junior Delgado macht dabei eine ähnlich gute Figur wie der vormalige Jungle Brother Sensational, Pop-Group-Mann Mark Stewart oder der Drum’n’Bass-MC Santana (doofer Name, versteht sich). Überhaupt sind die Surfers auch auf “Encounters” immer dann am besten, wenn der große Kontext “Dub” bzw. “Reggae” heißt. Die übrigen Tracks dürften, wie üblich, entsprechend stark polarisieren.