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So war’s in Saarbrücken: „Eine Fanta bitte!“

The Kooks live

Bei Kooks-Konzerten kommt mittlerweile jeder: Zahnspange meets Blümchenrock meets Mama und Papa. Röhrenjeans galore - und irgendwie mag niemand den anderen…
Geschrieben am
11.07.2012, Saarbrücken, Garage
 
Ein junger Kerl, vielleicht 16, stolpert und badet dann versehentlich seine Finger im Mineralwasser eines Mädchens, das neben seiner Mutter zu 50 Cent zappelt, der aus großen Boxen rappt. »Entschuldigung, aber Sie haben gerade meine Tochter umgerannt«. Stille. Dazwischen noch mehr Mütter, mehr Zahnspangen, mehr Cowboystiefel und Limonadentrinker. Es ist viertel vor acht an einem Mittwoch im Juli, die saarländische Provinz läuft auf zum kollektiven Über-den-Tellerrand-blicken. Ladies and Gentlemen, Saarbrücken (more than) proudly presents: The Kooks.
 
Ihr Durchbruch war ja schon längst. Spätestens seit der Veröffentlichung ihres neuesten Albums »Junk Of The Heart« war klar, dass die Briten auch das Zeug zur Teenie-Clownerie haben. Und dann noch dieser süße Sänger … Auch am gestrigen Mittwochabend musste Luke Pritchard nichts weiter tun, als seinen kleinen Indie-Ass galant von links nach rechts zu tanzen. »Luuuuuuuke« plärren die Mädels, »What the Fuck?!« kann man in den Augen ihrer Eltern lesen. Bei alledem blieb Saarbrückens Konzertvenue Nummer eins mit rund 700 Gästen erstaunlich leer. Dass ihre aktuelle Platte im Wesentlichen nicht ganz so geil ist und ein Grund für das verhältnismäßig geringe Zuschauerinteresse sein könnte, haben The Kooks längst bemerkt: Ganze drei neue Songs pressen die Engländer an diesem Abend raus, neben Feuchtmachern wie »Seaside« oder »Jackie Big Tits«. Lucky me, doof für die Kids. Gute anderthalb Stunden geht das, inklusive zweier Zugaben.



Mit »Naïve« verabschieden sich The Kooks in eine Nacht, die für viele am Merchstand endet. »Eine Fanta bitte, oder verkauft ihr hier nur Shirts?« Für 15 Euro gibt es da dann in der Tat Tolles zum Anziehen, wie zum Beispiel gelbe Damenslips mit Kooks-Logo drauf. Fragwürdig, aber sicherlich ein Verkaufsschlager. Deprimiert begeben sich einige ewig gestrige Langzeitstudenten mit Schnürsenkeln im Haar in Richtung Ausgang. »Gar nicht so indie«, murmelt einer und echauffiert sich im Anschluss über die vielen Minderjährigen. Ob er weiß, dass er es den Teens zu verdanken hat, dass The Kooks es nach Saarbrücken geschafft haben? Auf Symbiose ist geschissen.