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So war’s in Köln: Zwischen Musiksaal und Hängematte

Fink live

Apparat ist nicht der einzige Electro-Künstler, der überraschende stilistische Wendungen durchmacht. Der Brite Fink hat seine Metamorphose von Produzenten zum Singer/Songwriter schon hinter sich – mit Erfolg: Die Kölner Kulturkirche war bei seinem Konzert am Mittwochabend ausverkauft.
Geschrieben am
12.10.2011, Köln, Kulturkirche.

Man kann nun wirklich nicht sagen, dass Finian Greenhall die Stilistik seiner Musik wechselt wie andere Leute Unterhosen. Trotzdem ist der Fall von seinem Alias Fink außergewöhnlich und spannend: Ende der 1990er begann er als Produzent für eine atmosphärisch warme und auf TripHop, Downbeat und Ambient fußende elektronische Musik, danach entfernte er sich mit jedem Album ein Stück mehr von dieser Arbeitsweise, hin zu technisch feinen und auf einem sanften Gitarrenspiel basierenden Songs in der Tradition von Nick Drake, Kings Of Convenience und José González. Heute sind Laptops weitgehend aus seinen Arrangements verschwunden, trotzdem – oder gerade deswegen – ist er erfolgreicher denn je, so erfolgreich, dass die Kulturkirche an diesem Abend mit gut 400 Besuchern schon geraume Zeit ausverkauft ist.

Interessanterweise ist Fink seinem eigentlich für Electro bekannten Label Ninja Tune über seine gesamte Entwicklung hinweg treu geblieben, obwohl es in den letzten Jahren an anderen Angeboten nicht gemangelt haben dürfte. Er mag in seinem Umfeld offenbar Gelassenheit und Bestand, und das zeigt sich auch im Setting seiner Show. Ganz ruhig und ohne flackerndes Licht hat er sich mit seinen Mitstreitern aufgebaut, er äußerst sich, wenn überhaupt, ganz monoton, aber freundlich, und genießt ansonsten die euphorischen Ovationen seiner Fans. Von denen gibt es eine ganze Reihe, vor allem Leute, die zwischen Jack Johnson und José González keinen gar so dicken Trennstrich ziehen mögen. Leute, die es schlicht genießen, wenn akustische Gitarren gezupft werden und sanfte Stimmen dazu unaufgeregt singen.

Genau darin liegt auch ein Stück weit die Crux des Briten. Seine Alben, etwa das aktuelle »Perfect Darkness«, glänzen oftmals durch fein ausgeklügelte Arrangements und butterweiche Harmonien, sie fallen aber in manchen, zum Glück seltenen Momenten in Richtung eines flachbrüstigen Kitsches à la Jack Johnson ab. Fink darf sich scheinbar nicht zu wohl fühlen in seiner Hängematte aus Akustikgitarren, um Songs zu schreiben, die auch noch auf anderen Ebenen faszinieren. In der wonnigen Atmosphäre der absolut würdevollen Kölner Kulturkirche kriegt er die Kurve doch noch mal – zu viele Songs sind einfach zu gut in einer Traditionslinie mit González und Alexi Murdoch, um nur sonnenverbrannte Bräsigkeit zu assoziieren. Und seine Fans scheren sich um Zweifel solcherart sowieso kaum.