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So war‘s in Köln: Tumultartig

Prince live

„Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen“ hat Herbert Wehner mal gesagt. Leider wusste Prince davon nichts. Er blieb einfach weg.
Geschrieben am
28.07.2011, Köln, Lanxess Arena

Stefan Löcher steht am Donnerstagabend am Info-Tresen seiner Lanxess-Arena und überlegt, ob er nicht doch das bereitliegende Megafon benutzen sollte. Er hört Rufe, wie "Wir sind aus Berlin!" oder "Wir sind sieben Stunden gefahren, um dann das zu erleben. Wir wollen unser Geld zurück!" Es ist kurz vor 23.00 Uhr in Köln und Löcher, der Geschäftsführer der Arena-Management-GmbH betont, er selbst habe so etwas ebenfalls noch nicht erlebt und er spräche jetzt nur als der Hallenvermieter. Was war passiert? Das einzige Deutschland-Konzert von Prince im Rahmen seiner "Welcome 2 America Euro Tour 2011" endet abrupt und mit fliegenden leeren Bierbechern auf die Bühnenarbeiter, die im Hallenlicht die Instrumente und Monitore wegschaffen.

In einer mit 12.000 Besuchern nicht völlig ausverkauften Lanxess-Arena beginnt Prince mit seiner Band „New Power Generation“ 40 Minuten zu spät, um nach fünf Minuten für eine Dreiviertelstunde erneut zu verschwinden. Das ratlos verbliebene Publikum erträgt zwei Durchsagen des Hallensprechers "Wegen eines technischen Defektes, bitten wir Sie um etwas Geduld, wir informieren Sie, wenn wir wissen, wie es weitergeht!" Die dritte Durchsage wird bereits von Buhrufen begleitet. Prince und Band wirken kurz danach recht lustlos auf der Bühne, unterbrechen erneut, entschuldigen sich und spielen Neues und Klassiker, wobei sich das Instrumental-Intro von Purple Rain bereits gegen Unmutsbekundigungen des Publikums durchzusetzen hat. Es folgt eine spontan genehmigte Stage-Invasion schlanke "Funk"-Plakate hochhaltenden Volkes, die kurz darauf rasch die Bühne wieder zu verlassen haben.

Und plötzlich ist ER nach einem goldenen Glitterregen weg. Gruß- und zugabelos mitsamt der Band von der Bühne verschwunden. Stefan Löcher ist danach umringt von wütenden Besucherinnen und Besuchern, die ihr Eintrittsgeld zurück verlangen, weil der Hallensound zu laut und, wie viele finden, "unterirdisch" gewesen sei. Außerdem wurden die beiden Songs nach der langen Pause mit „Soundcheck-Soundcheck-Soundcheck“-Einwürfen des 53-jährigen zerstört. 

Löcher sagt, der Soundcheck sei nach Prince's Vorgaben und Placet am Nachmittag mit seiner eigenen Technik und Prince-Tontechnikern über die Bühne gegangen. Letztendlich sei es deshalb die Verantwortung des Prince-Managements und des örtlichen Veranstalters Dirk Becker Entertainment. Deshalb verteilen jetzt Löchers Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedrückt Adresskärtchen des Veranstalters, um, wie Löcher betont, dort möglicherweise das Eintrittsgeld zurück erhalten zu können. Und er möchte den Abend wiedergutmachen, indem er bei Anfragen von enttäuschten Prince-Besucherinnen und -Besuchern, eine Karte einer noch zu bestimmenden Veranstaltung in der Kölner Lanxess-Arena zur Verfügung stellt.
Das könnte zum Beispiel „Holiday on Ice“ sein, zur Abwechslung dann mit einer kleinen Eisprinzessin.

Der örtliche Veranstalter Dirk Becker Entertainment teilte auf Anfrage bezüglich der "Geld zurück"-Forderung einiger Zuschauerinnen und Zuschauer mit, dass derzeit Gespräche mit dem sich in Dänemark befindenden Prince-Management laufen und es bald weitere Informationen auf der Website www.dbe.ag geben wird. Allerdings sollten sich Unzufriedene keine großen Hoffnungen machen, weil "Prince aufgetreten ist und es vielen gefallen hat".