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So war‘s in Köln: Trennung im gegenseitigen Einvernehmen

Crocodiles live

Die Crocodiles schaffen den Sprung vom Studio auf die Bühne nicht so richtig und entlassen das leidlich gesättigte Publikum in einen noch jungen Abend.
Geschrieben am
12.09.2012, Köln, Gebäude 9

Der Mittwochabend hat das Gebäude 9 voll erwischt. Es ist mitten in der Woche und im Fernsehen kommt die finale Staffel von Desperate Housewives. Entsprechend leer ist es. Man könnte auch fragen: Ist das Gebäude 9 halbvoll oder halbleer? Die Frage ist recht einfach zu beantworten. Bei der Vorband I See Lights ist es halbvoll. Natürlich die hintere Hälfte des Saales. Und trotzdem sagen sie nicht ein einziges Mal: »Ihr könnt auch gerne nach vorne kommen«. Schon deswegen sind sie die Gewinner des Abends. Aber auch wegen des unprätentiösen, straighten Indie-Rocks, den sie sehr enthusiastisch spielen.

Im Gegensatz dazu ist das Gebäude 9 bei den Crocodiles leider halbleer. In absoluten Zahlen sind natürlich jetzt mehr Leute im Saal als bei I See Lights und trotzdem frage ich mich, wieso die Lieder, die auf Platte so elegant zwischen Bombast und Rock balancieren, live nichts von beiden sind.

Vielleicht, weil diese so sensible Balance auf Platte einer sehr fein abgestimmten Produktion zu verdanken ist, die das Straighte der Gitarren erhält, aber mit Glampop-Elementen verbindet. Die Flaming Lips ist eine der wenigen Bands, die die Vielzahl der Tonspuren aus dem Studio elegant auf die Bühne bringt. Derartiges fehlt hier.
Bei den Crocodiles ist es leider nicht viel mehr als ein Brei aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboard plus Brandon Welchez am Mikro mit einer Körperhaltung, die er sich von Jarvis Cocker abgeschaut hat. Bestimmt reizvoll wäre gewesen, wenn es die Crocodiles eben nicht versucht hätten, das Album eins zu eins auf die Bühne zu bringen, sondern auf einen rockigeren Sound runter zu brechen. Wäre interessant gewesen, war es aber nicht. So bleibt ein Gefühl, wie beim Durststillen mit Discounter-O-Saft: Man kann es schlucken und ist nicht mehr durstig, schmecken tut es aber nicht wirklich. Die Crocodiles spielen den Großteil des Albums, mit »Endless Flowers« als Opener und »No Black Clouds for DeeDee« im Mittelteil. Und selbst mit den Quasi-Hits des Albums können die Crocodiles das Publikum nicht so wirklich für sich gewinnen. Gefühlt ist die vordere Hälfte des Saales immer noch leer. Es fehlt aber auch die Ansprache durch die Band.

Entsprechend fällt dann auch die Verabschiedung von beiden Seiten etwas befremdlich aus: Kurzes Winken der Band und Abgang nach einer Stunde. Drei Sekunden Klatschen und kaum drei Zugabe-Rufe vom Publikum. Also kommen die Crocodiles auch nicht noch mal auf die Bühne. Man trennt sich im gegenseitigen Einvernehmen – ohne böses Blut. Einfach, weil es das Beste so ist.