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So war’s in Köln: Spooky

Two Gallants live

Immer wieder gern seien sie in Köln, beteuern Two Gallants mehrfach. »Spooky« sei es hier.
Geschrieben am
19.11.2012, Köln, Bürgerhaus Stollwerck
 
Es ist nicht der erste Abend mit der Londoner Folkrock-Band To Kill A King, dennoch herrscht immer noch ungebrochen Respekt und Wertschätzung vor. Kein billiger Witz geht über die Lippen der Briten, deren Bassist nicht nur die Frisur des Sängers der Spider Murphy Gang adaptiert hat, sondern auch dessen 80ies-Moves. So wippt die lockige Tolle, während sich der stocksteife Musikant im Takt zuckend 45° nach rechts und 45° nach links dreht. Ihrem Cover des Yeah Yeah Yeahs-Hits »Maps« hilft das allerdings nicht, ihre eigenen Songs kommen dagegen etwas besser weg.
 
Dann folgt das Roadie-Ballett, bei dem drei durchtätowierte Mittdreißiger in verschiedensten Subkultur-T-Shirts voller Anmut die Bierbäuche über die Bühne schwingen, bis alles angerichtet ist und das Drum-Set ausnahmsweise mal direkt am Bühnenrand zum Stehen kommt.

Nun ist es endlich Zeit für Gitarrist Adam Stephens (hochgewachsen, blond, Röhrenstretch, bärtig, funktioneller Haarschnitt) und Schlagzeuger Tyson Vogel (dunkle Haare auf Cobain-Länge, Holzfällerhemd, drei Flaschen Kölsch). Und beide beginnen recht schnörkellos ein Set, das wie immer von einem Timbre begleitet wird, das die Vermutung nahe legt, dass sie sofort platzen, wenn sie nicht alles rauslassen – selbst wenn sie sich immer im Rahmen ordentlichen Songwritings bewegen und Armageddon-Abschlüsse mit völliger Verwüstung als Folge absolut ausschließen. Als bebend kann man es umschreiben, wenngleich gerade Stephens heute stimmlich an die Grenzen kommt und ab und an hilfesuchend zu Tyson sieht, der allerdings weit davon entfernt ist, ständigen Blickkontakt zu halten und darum auch nicht mit zweiter Stimme stützt.

Auf Gedeih und Verderb: Bei Zwei-Mann-Bands muss jeder 100% geben, sonst wird das nix. Eventuelle Defizite muss jeder selber kompensieren. Niemand weiß das besser als Two Gallants. Sie machen das nun schon zehn Jahre lang. Und heute Abend trägt glücklicherweise das Publikum, diese merkwürdige, dennoch sehr anheimelnde Mischung aus jungen Frauen und etwas älteren Musiknerds – da geht die Band auch mal über die 100% hinaus und macht der Stadt und dem Volk merkwürdige Komplimente, völlig unironisch. »Spooky« sei es hier in Köln doch immer und sie kämen äußerst gern. Tyson Vogel sagt das und lässt es völlig unerläutert stehen. Viel sagen die beiden ohnehin nicht. Am Ende können sie sich vor beharrlich klatschender Kulisse mit der Zugabe sogar noch einmal richtig Zeit lassen. Drei weitere Songs runden das Set ab, dann möchte man das erschöpfte Duo wirklich nicht länger ausquetschen. Fröhlich zieht das Volk vorbei am T-Shirt-Stand mit Regenbogen kotzenden Einhörnern hinaus aus dem dunklen Backsteinbau in den von Nebelschwaden durchzogenen, finsteren Park im Süden der gotischen Domstadt.