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So wars in Köln: Sperrig, düster, enigmatisch

Electronic Beats 2011

Animal Collective, Holy Ghost!, Planningtorock und Co geben sich in Köln die Klinke in die Hand. Unser Autor Philip Fassing war vor Ort.
Geschrieben am
19.05.2011, Köln, E-Werk.

Während die letztjährige Ausgabe des Electronic Beats Festivals mit Acts wie Moderat und Major Lazer noch ordentlich auf Krawall gebürstet war, verzichteten die Veranstalter dieses Jahr auf verlässliche Peaktime-Cowboys und schlugen vor allem experimentelle Töne an. Die Nachfrage schien das nicht weiter zu beeinträchtigen, war der größtmögliche Konsens mit Animal Collective doch ohnehin gegeben – hätte man vor einigen Jahren so auch nicht geglaubt.

Ebenfalls aus New York angereist waren die Disco-Revivalisten von Holy Ghost!, die das Publikum mit ihrem mondänen Synthie-Pop jedoch nur bedingt abzuholen wussten. Als dem Duo vor vier Jahren mit "Hold On" ein veritabler Hit auf dem renommierten DFA-Label gelang, (t)witterte schon so mancher den großen Wurf. Mit dem lang angekündigten, aber erst kürzlich erschienenen Debütalbum konnte das Versprechen der Single dann nicht mehr wirklich eingelöst werden - was scheinbar weniger auf die musikalischen Qualitäten des Duos zurück zu führen ist, sondern viel mehr auf die Rechnung des nimmer müden Zeitgeist geht. So spielten sich die New Yorker solide durch ihr elegantes Repertoire, das von lässigen Italo-Disco-Zitaten bis zu lupenreinen Wave-Pop-Nummern reichte, hatten jedoch gegen die obligatorischen Probleme eines Opener-Slots an zu kämpfen. Bei der Live-Umsetzung gab man sich sichtlich Mühe: Drumloops und Synthie-Arpeggios aus der Konserve waren nur schwer auszumachen, dafür gab's Rückendeckung in Form einer kompletten Bandbesetzung.  

Reduzierter war das Bühnenbild hingegen bei Janine Rostron alias Planningtorock, deren zweites Album "W" seit heute in den Plattenläden und Downloadstores steht. Die eindrucksvoll verschachtelten Elektronik-Kompositionen konnten auch ohne großes, visuelles Brimborium überzeugen, das geheimnisvolle Erscheinungsbild der Berlinerin genügte da bereits vollkommen. Für stimmungsvolle Akzente sorgte ein Saxophonist, dessen Spiel sich unmerklich in die repetitiven Muster aus Rostrons Maschinen einfügte und der Perfomance so einen organischen Anstrich verpasste.

Weniger überzeugend und vor allem dramaturgisch fragwürdig fiel der Auftritt der französischen Coverband Nouvelle Vague aus. So charmant die Idee auch sein mag, Postpunk- und New-Wave-Gassenhauer durch die Jazz-Brille zu interpretieren – zwischen Planningtorock und Animal Collective waren die etwas zahnlosen Coverversionen deutlich fehl am Platz. In den besseren Momenten wähnte man sich in lynch'scher Laszivität - in den Schlechteren in einem seicht beschallten Fahrstuhl.

Doch das Kontrastprogramm ließ mit Animal Collective nicht lange auf sich warten und ließ versöhnlich über den ein oder anderen egalen Moment des Abends versöhnlich hinweg sehen. Denn statt einfach nur eines ihrer eingängigeren "Merriweather Post Pavillion"-Sets abzuliefern, formte das Quartett einen äußerst Noise-lastigen, mäandernden Klangfluss, der nicht abreißen wollte. Panda Bear hämmerte mit bedrohlicher Präzision rhythmische Muster in die Luft, immer flankiert von Geologists wunderlichen Klangschleifen und Avey Tares entfesselter Stimmakrobatik. Hier und da was bekanntes, immer wieder Irritation, die Themen tauchten auf und ab bis man nicht mehr wusste wo vorne und hinten ist. Wer danach noch stehen konnte, durfte sich schließlich noch von den Berliner Bassbrüdern Modeselektor dahin raffen lassen, deren DJ- und (vor allem) Entertainer-Qualitäten allseits bekannt sein dürften.




Mehr Infos zum Electronic Beats unter www.electronicbeats.de

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