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So war’s in Köln: Madame Krawallo sprüht Energie

Skunk Anansie live

Das muss niemand in Röhrenhosen verstehen: Skunk Anansie füllen große Hallen und lösen Begeisterungsstürme aus. 12 Jahre nach »Weak«!
Geschrieben am
15.11.2012, Köln, E-Werk

Die 90er sind längst wieder da! Und natürlich wollen es auch Skunk Anansie noch mal wissen. Das nunmehr zweite Studioalbum seit der Wiedervereinigung 2009, »Black Traffic«, unterliegt jedoch einer kontroversen Debatte. Der Nachfolger von »Wonderlustre« muss sich der Kritik stellen, aus einem künstlichen Konservenorchester ein Sammelsurium aus Krawall, schnulzigen Balladen und Radiopop produziert zu haben.

Sind Skunk Anansie evtl. doch nicht die Art 90er Jahre, die heute wiederkommen oder erleben wir einfach nur mal wieder die Schere von Musikkritik und Publikum, dieses Auseinanderlaufen von Presseecho und Erfolg? Das kann und soll der Konzertbesuch klären.

Nicht erst seit der Ansage „Wir wollen Klimaanlagen und Klopapier“ wissen Skin und ihre Jungs, dass sie sich vor nichts fürchten müssen. Nur die wirklich Großen holen sich Supports, die so gut sind, dass sie sogar gefährlich werden können. So fiel die Wahl auf die ehemaligen Label-Kollegen The Jezabels, mit denen sie alles richtig gemacht haben. Bereits zu früher Stunde ist die Halle prall gefüllt und voractuntypisch genießen sie die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Wie es sich gehört, um das nicht eigene Auditorium zu fesseln, musste schnell ein Hit her. Da sind sie mit »Endless Summer« auch schon gelandet und erfüllen mehr als ihren Zweck. Eine Vorband eben, die schon längst eigene Hallen zu füllen vermag.

Eingeleitet durch eine Art Synthiegewusel alter Songs eröffnet Skin mit Pauken und Trompeten ihren großen Auftritt mit Federjäckchen und Spandexhose. Nach einem extrem aggressiven Start mit »Skank Heads« und »I will break you« wird klar: Madame Krawalla ist energiegeladener denn je! Harmonie und Tanzwut erreichen sie dann im Publikum durch »Twisted« oder »This is not a game«. Ungewöhnlich früh verschießen sie ihre Klassiker wie »Hedonism« und »Weak«. Es drängt sich die Frage auf, ob das Konzert gleich beendet ist oder ob man einfach mal eine neue Playlist entwickelt hat, um endlich den Vergangenheitskaugummi unterm Schuh loszuwerden. Dementsprechend sind die Zugaben nach dem gut einstündigen Trip durch verschiedene Alben selbst für Kenner recht ungewöhnlich. Die Ruhe und Sehnsucht in »Secretely« wird durch das Feuer von »Little Baby Swastikka« und schließlich mit einem bombastischen »Spit you out« abgeschlossen.

Insgesamt ein solider, kraftvoller und wie immer durch das schnurrende Powerkätzchen Skin hervorragender Auftritt. Ein bisschen weniger aufgesetztes Echo in der Stimme – und schon wäre neben der phänomenalen Präsenz der »Grace Jones des Alternative Rock« auch ihre vielseitige Stimme besser zur Geltung gekommen. Nichtsdestotrotz: Das Publikum ist eindeutig begeistert, was sich nicht nur im nicht enden wollenden Applaus der in die Jahre gekommenen Anhängerschar zeigt, sondern auch in der durchweg hervorragend begeisterten Stimmung.