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So war’s in Köln: Leicht kühl

Incubus live

Werden Incubus die Lanxess Arena erobern? Wieso ist das Konzert überhaupt in der »schwangeren Auster«, in der sonst Paul McCartney und Konsorten spielen?
Geschrieben am
19.11.2011, Köln, Lanxess-Arena

Verwunderung ist die häufigste Reaktion auf die Tatsache, dass Incubus für ihren Kölner Gig die 21.000 Menschen fassende Arena wählen. Gefühlsmäßig liegt dafür deutlich zu wenig Präsenz und Aktualität in der Waagschale, um bis zur Spitze der Stadionliga zu reichen. Als durchschnittlich talentierter Hellseher darf man also im Vorfeld mit einer ähnlichen Wahrscheinlichkeit, mit der sich Sänger Brandon Boyd im Laufe des Konzerts von seinem T-Shirt trennt, davon auszugehen, dass die Arena nicht vollständig gefüllt sein wird. Beide Ereignisse treten dann tatsächlich auch ein und bedingen sich mutmaßlich, denn die minimale Menschenmasse produziert die nötige Wärme zum lauschigen Entblößen langsamer als gewohnt, so dass das Blankziehen erst zu einem späten Zeitpunkt des Konzerts stattfinden kann. Die lediglich zu einem Drittel gefüllte Spielstätte bewirkt aber auch, dass Incubus‘ ohnehin hallender Sound wenig geschluckt werden kann. »Nowhere Fast« umgibt die Aura einer Indiedisco um 20 Uhr, wenn der DJ noch ohne Publikum die Grenzen der Anlage austestet. Die latente Leere und Kälte scheint sich auch auf die Band selbst auszuwirken, die mit Ausnahme des Sängers mitunter recht schlapp wirkt - sowohl bei den bewusst gediegener gehaltenen neuen Stücken, als auch bei älteren Songs.

Das sperrigere »A Certain Shade Of Green« fällt derartig aus dem Rahmen, als stamme es überhaupt nicht von dieser Band. Zudem fällt bei Mehrstimmigkeitsbrocken wie »Nice To Know You« und »Wish You Were Here« auf, dass die Boyd begleitenden Stimmen oft aus dem Off kommen und nicht live gesungen werden.

Dem gegenüber steht eine smarte Doors-Reminiszenz (»Riders On The Storm«), die sehr anschmiegend in das entspannte »Are You In« eingebaut wird. »Anna Molly“ und »Pardon Me« kommen sehr kräftig und lassen die Energie aufblitzen, für die die Band eigentlich bekannt ist. Brandon Boyd ist trotz der wenigen an das Publikum gerichteten Worte von der unterschwelligen Lethargie nichts anzumerken. Er erfüllt die Rolle des Frontmanns wie man es besser kaum tun kann, wuselt überall auf der Bühne herum und ist nun einmal unbestritten mit großer Stimme gesegnet. Und wie sich das nun mal so verhält mit Ambivalenz und Fans, ist dann doch noch Begeisterung die häufigste Reaktion darauf, dass Incubus gerade die Lanxess Arena bespielt haben.