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So war‘s in Köln: Lehrerschnäuzer im Zirkus

WhoMadeWho live

In Deutschland fühlt sich jeder Tag wie ein Samstag an. Meinen zumindest WhoMadeWho an einem Mittwochabend in Köln-Ehrenfeld.
Geschrieben am
21.03.2012 Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

Seit wann gibt es eigentlich den Club Bahnhof Ehrenfeld? Der gleichnamige, von Gentrifizierung heimgesuchte Stadtteil Kölns besteht gefühlt schon ewig aus einem gesättigten und alt eingesessenen Bar-Club-Gemenge, aus dem sich WhoMadeWho heute Abend aber nicht bedienen. »Kompakt-City«, wie Sänger und Gitarrist Jeppe Kjellberg in Ehrerbietung ihres Labels die Endstation der einwöchigen Deutschlandtournee nennt, soll nochmal ein kleines Bonbon bereithalten: einen ziemlich direkten und intimen Club.

So ist der nicht minder priorisierte, dennoch numerisch nun mal zweite Sänger Tomas Hoffding bereits bei den zuvor spielenden Depeche-Mode-Erben Rangleklods in Publikumsnähe zu sehen. Kurz darauf scheint er aber von der Rammstein-artigen Bestimmtheit des Duos hinter die Bühne getrieben zu werden, um die Ansage für seine eigene Band vorzubereiten: »WhoMadeWho! « Mit ähnlich nüchterner Konsequenz wählt man »Inside World« und »TV Friend«, Songs mit offensichtlich auf den jeweiligen Alben in Stein gemeißelter Openerqualität, zu Beginn aus. »Every day feels like saturday, you crazy Germans! « - Band und Gäste, nicht mehr ganz so neu wie der beherbergende Club, sind gleichermaßen geschmeichelt.

Inmitten des Konzerts eine Zäsur. Das Publikum ist lauter als die Band. »Kann es sein, dass gerade erst die erste Pause ist? «, scheinen sich manche zu fragen. Mit dem Charme eines Punk-Trios morphen die drei Dänen ihre Indiesongs in ein paternosterartiges DJ-Set, schaffen dabei den Spagat zwischen der Biederkeit des autoritären Lehrerschnäuzers auf der einen Seite und Oben-Ohne-Rockstar-Habits auf der anderen. Eine eigentümliche Obskurität verleiht die Adaption von Mr. Oizos »Flat Beat« und das angelehnte »Satisfaction«, auf denen geschätzt die letzte halbe Stunde in allen erdenklichen Variationen herumgestampft wird und eine kleine Zirkusshow abgespielt wird. Etwas zurechtgerückt überzeugt einen dann auch die sanfte Kraft des gesprochenen Wortes, das von der Bühne kommt: »It’s the perfect place to end the tour. «