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So war’s in Köln: Kolchosig

Max Herre live

Ist Max Herre noch im HipHop zu verorten? Sein jüngstes Album wirft diese Frage auf, allerdings scheppern die Scheiben des Kölner E-Werk von Beginn seines Auftritts an, dass man viele schon vor Betreten der Halle erleichtert aufatmen hört.
Geschrieben am
17.10.2012, Köln, E-Werk

Schon ab dem ersten Song »Hallo Welt« ist klar, was er schon in der Intro-Titelgeschichte ankündigte: Max Herre feiert auf der Bühne sein Comeback als Rapper. Zunächst sind die Kopfnicker noch gehemmt wahrzunehmen, doch spätestens beim dritten Song »Esperanto« brechen in Köln die Dämme: Es ist wieder 1999! Der Hit seines Solo-Debüts »1ste Liebe« lässt die Menge lauthals mitsingen. Joy Denalane muss wohl die zuhause Kinder hüten, wird jedoch von der so sympathischen wie stimmgewaltigen Sängerin Grace ersetzt, die an diesem Abend mehr als nur Ersatz ist. Die neuen Songs wie »Wolke 7« oder »Aufruhr (Freedom Time)« singt er ohne die Features von Phillip Poisel und Patrice, was allerdings niemand beklagt.

Auffällig: Der Altersdurchschnitt ist deutlich gestiegen, denn ganz im Gegensatz zur »Ein geschenkter Tag«-Tour besteht das Publikum nicht mehr aus hauptsächlich weiblichen Fans unter 25 sowie deren Partnern, nein: bei Aufruf der männlichen Besuchern erklingt ein lauter Bass, der das Gekreische der Ladies übertönt.

Ein Gast auf der Bühne ist Megaloh, der den Titel »Rap ist« nun auf der Bühne noch besser rüberbringt, als auf dem Album. Langsam aber sicher steht niemand mehr still.

Für die geballte Packung Nostalgie sorgt als weiterer Gast des Abends Afrob, der Herre bei Hits wie »Tabula Rasa« oder »Wenn der Vorhang fällt« supportet. Für die erste Zugabe übernimmt Herre sogar den Part von Ferris MC im Hit »Reimemonster«, der dann auch dem letzten Cro-Mütze tragenden Mädchen den Schweiß auf die Stirn träufelt. Optisch mag Herre die Baggy Pants zwar abgelegt haben, aber wenn er »A-N-N-A« oder »Leg Dein Ohr auf die Schienen der Geschichte« performt, wird das E-Werk plötzlich zur Kolchose im guten alten Benztown des vorvergangenen Jahrzehnts.