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So war’s in Köln: Kein Promogig

Muse live

Zwischen Branchenpublikum und einer Band, die ihren Bombast abgelegt hat, schlägt unser Autor Florian Weber Wurzeln. Oder doch nicht?
Geschrieben am
20.09.2012 Köln, E-Werk

Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn bietet der Vorplatz des Kölner E-Werks ein ungewöhnliches Bild. Die Schlange der Gästeliste sprengt die vorgesehenen Kapazitäten, während die des klassischen Kartenbesitzers, der bei Ebay nicht unter 100 Euro an sein Ticket kam, praktisch nicht existent ist. Der Verdacht drängt sich auf, dass der erste Gig vonMuse im Jahr 2012 eher ein Branchenpublikum bedient, dem ja mitunter nachgesagt werden soll, dass es zum Teil nicht unbedingt zur fantypischen Ekstase fähig ist.

Und er erhärtet sich. Matthew Bellamy und seine zwei Schulfreunde treten unspektakulär und geerdet auf, die Gitarrenwucht erreicht das Showbiz-Level, und als ob die Briten jemandem etwas beweisen wollten, mutet die Beschnupperungsphase an, als ob Iron Maiden auf den Salzburger Festspielen aufträten. Allerdings ohne Ventilatoren. Keine Weltraum-Visuals, keine pompösen Bühnenvorrichtungen - als eines der bei Muse so gern verwendeten fancy Extragimmicks können lediglich die an Controller des Videospiels „Rock Band“ erinnernden touch-reaktiv gesteuerten Saiteninstrumentderivate genannt werden, die Bellamy und Wolstenholme gelegentlich spielen. Nur ein kleines Konzert mit einer Band und ihrem Publikum, das fest am Boden verwurzelt verharrt angesichts früh verschossenen Pulvers wie des wunderbaren »Hysteria«.

Die im Vorfeld befürchteten Szenarios »Promogig« und auch »Dubstep-Ekapaden« bleiben dennoch grobe Theorie. Sehr bedacht streuen Muse die wenigen Songs ihres neuen Albums »The 2nd Law« in ihr weit gefächertes Repertoire ein, so dass der Eindruck entsteht, Ende des Monats erscheine ein vielversprechender Karrierekonsens mit wohl dosierten Spitzen – ja, auch einzelne Skrillex-, aber auch Peter-Gabriel-Reminiszenzen verirren noch etwas haltlos sich hierhin, dafür wird das Piano erst bei »Survival«, dem letzten Song des Abends, bemüht. Und auch wenn Schlagzeuger Dominic Howard mit fortschreitender Konzertdauer immer mehr optische Ähnlichkeit zum Lebenddenkmal Keith Richards bekommt, ist das absolut positiv gemeint.