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So wars in Köln: Im Auge des Orkans

Buffalo Tom live

Unser Autor Klaas Tigchelaar begab sich nicht nur in den Kölner Karneval, sondern beim Konzert von Buffalo Tom auch noch auf eine Zeitreise in die tiefsten Neunziger...
Geschrieben am
08.03.2011, Köln, Luxor.

Unglücklicher Termin? Am Veilchendienstag ist in Köln der Karneval noch lange nicht vorbei, auch am Abend tummeln sich Verkleidete scharenweise vor den einschlägigen Kneipen. Nicht jedoch vor dem Musikclub Luxor, dort ist es gespenstisch still. Aus den Boxen erklingt bedächtiger Indie-Folk, auf der Bühne tauchen bald Friedemann Weise und seine Akustikgitarre auf, um den Abend vor mäßig besuchtem Saal zu eröffnen.

Der lockige und leicht bärtige Liedermacher wurde erst am Abend zuvor über seine Auftrittsmöglichkeit informiert, "für die alten Grunger hier habe ich meine besten härteren Songs ausgepackt", so Weise. Die Darbietung wirkt seltsam deplaziert, so wie sich eben auch der ein oder andere Thirtysomething-Gast nach dem anstrengenden Karnevals-Wochenende optisch nicht auf der Höhe präsentiert.



Dafür sind Weises drahtige Ansagen recht lustig und verkürzen die Wartezeit auf Buffalo Tom, die gerade ihr quasi zweites Comeback-Album veröffentlicht haben und irgendwann auch nach der Handtuch und Getränkejustierung des Personals die Bühne betreten. Drei in Würde gealterte Herren mit viel Spaß am Spiel. Eine angeblich lange Tour steht ihnen bevor, die dann doch nur aus 20 Konzerten für das restliche Jahr besteht. Aber was aus den beiden Marshall-Türmen und von Bass-Schlagzeug-Seite auf die geschätzten 80 Zuschauer einprescht ist wirklich gar nicht gealtert. Die College-Rock-Melodien der 90er, nur für diejenigen, denen die Melvins und Dinosaur Jr damals schon zu heftig waren und die das Shoegaze-Ding als viel zu vages Drogenexperiment diskreditierten. Für diese Menschen liefern Buffalo Tom ein stets überschaubares Gitarrenbrett, bei dem Sänger/Gitarrist Bill Janovitz seine helle Freude an Lautstärke und Effektgeräten auslebt, während Bassist/Sänger Chris Colbourne bedächtig zweite Stimmen anliefert, bis sie sich abwechseln und der Leadgesang von links nach rechts wechselt.

So einfach kann es sein. Janovitz setzt irgendwann und ohne erfindlichen Grund einen Hut auf, die gealterten Karohemden vor der Bühne machen ein wenig Platz für das junge Paar in der ersten Reihe, das diese Musik als ultimativen Knutsch-Soundtrack auserkoren hat. Es gibt viel vom Erfolgsalbum "Big Red Letter Day" ("Sodajerk", "I’m Allowed", "Taillights Fade"), einiges aus den Alben "Smitten" und "Three Easy Pieces". Und natürlich die neuen Songs von "Signs", die erneut die Qualitäts-Schnittmenge aus Harmonien, Melodien, mehrstimmigen Gesängen und freundlich verzerrten Gitarren hochhalten. Kaum zu glauben, die Band aus Boston gibt es schon seit 1986, hier immer noch in Originalbesetzung und mit einer Spielfreude, die junge Rüden souverän und mit einem Lächeln in die Schranken weist.