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So wars in Köln: Crooner oben, Rocker unten

Tusq live

Zwischen Humor und Routine: Unser Autor Klaas Tigchelaar war beim Kölner Konzert dabei...
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Zwischen Humor und Routine: Unser Autor Klaas Tigchelaar war beim Kölner Konzert dabei...

22.02.11, Köln, Studio 672.

Ungewöhnlicher Auftakt: Die enge Treppe in den gemütlichen Kölner Keller namens Studio 672 ist vollgestellt mit Gästen! Anstehen für Tusq und Academies? Bedingt, denn unten ist auch die Garderobe für den oben gelegenen Stadtgarten, wo heute simultan Edwyn Collins britische Indie-Crooner-Grandezza zelebriert. Doch auch der Kellerraum, mit den obligatorischen Säulen, Ecken und sympathischen Sitzgelegenheiten füllt sich. Hübsche Menschen für zwei hübsche Bands die ursprünglich mal so etwas wie entfernte Zwillinge waren.

Damals, bevor sie Personal getauscht haben und jede Band seinen eigenen Weg ging. Der Weg der Fünf von Academies geht steil nach oben, wenn auch vielleicht nur in der Wahrnehmung der Zuschauer an diesem Abend. Die kommende Platte kommt seit bald zwei Jahren nicht, endlich ist nun aber der finale Mix fertig und bald geht es dann richtig los.

Auf der Bühne ein sehr viel stringenteres Bild: verschmitzt, verspielt, zielstrebig und mit einem ungewöhnlich-variantenreichen Indierock-Sound, der die technische Versiertheit aller anwesenden in geordneten Bahnen zum Ausbruch bringt. Chöre aus fünf Kehlen beenden einen getragenen, mutmaßlich teilimprovisierten Song, bei einem anderen werden kollektiv Shaker geschüttelt, während Schlagzeug, Bass und fiepsender Micro-Synthi vertrackt und nach hinten gelehnt einen kompakten Rhythmusteppich in den Keller legen. Mehr als einmal lächeln sich die Musiker zufrieden an, machen kleine Späßchen und bewegen sich kurzzeitig in einer ganz eigenen, lauten wie leisen Welt. Mit Gitarren, aber ganz ohne zugehörige Posen -  was für ein beeindruckender Auftritt!

Tusq (Foto) werfen nicht mit verschmitztem Humor um sich sondern packen Routine auf die Bühne. Zur Kurzbeschreibung gehören die früheren Leben bei Schrottgrenze, D-Sailors, Herrenmagazin und The Coalfield sowie das Bestreben nach Perfektion wie sie Motorpsycho und The Soundtrack Of Our Lives aufführen. Irgendwo dazwischen passen Tusq tatsächlich ganz gut. Der Bass grollt in modernem Kleid zum Auftakt und die holzummantelte Retro-Orgel von Sänger Uli schreit ein kleines Lied, welches spätestens zum Refrain die zuckrige Songwriterqualität des Vierers offenbart.

Alles wirkt eine Spur schnörkelloser, einstudierter und mitunter auch ein wenig beliebig. Aber dann holen sie wieder einen Melodiebogen raus, der dich mitnimmt. Stellenweise sind die Gesten vielleicht etwas größer als die bespielte Bühne, da wirkt das Akkordeon zwischendrin fast wie Entspannung. Aber letztendlich: kurzes, knackiges Update vom gar nicht mehr so jungen Gitarrennachwuchs. Ihnen geht es blendend, danke der Nachfrage.