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So war’s in Dortmund: Ein Maximum an Minimum

Junip live

José González beehrt mit seiner Band Junip das Dortmunder Konzerthaus. Den spießbürgerlichen Charme des Gebäudes nutzt die Band für eine intensive, außerweltliche, musikalische Massenhypnose.
Geschrieben am

11.05.2012, Dortmund, Konzerthaus
 
Die Wände des Konzerthaus Dortmund werden geziert durch überdimensionale Gemälde, hauptsächlich Portraits zeitgenössischer Virtuosen der klassischen Musik. Uniformierte Studenten mit Headsets führen das Publikum in scientologenhafter Freundlichkeit durch die gläsernen Fahrstühle zu ihren Plätzen. Während die meist leeren Ränge und Balkone für die Künstler unsichtbar sind, ist die Mitte des Konzertsaals so sichtbar wie gut besucht. Es kann losgehen.
Auch wenn es zeitweise aussieht, als würde David Lemaitre beim Singen sein Mittagessen verdauen, verteilt der Support seine tief getragenen, atmosphärischen Loops und Klangkollagen liebevoll inszenierte bis in die letzte Ecke des Saals. Der Voodoo wird vorbereitet. Ein unsympathischer Pausengong läutet den Beginn von Junip ein. Es scheint, dass das Publikum den schwermütigen Lemaitre noch nicht so recht verarbeitet hat. Während einige betagte Konzert-Abonnenten mit schneeweißem Haar beginnen, sich ein wenig deplatziert zu fühlen und den Saal verlassen, dimmt sich das Licht und eine auf den Kopf gestellte Nadelbaumlandschaft erstrahlt im Hintergrund.



»Sehr vielen Dank«, begrüßt José González das Publikum und beginnt seinen Hüttenzauber mit Band. Repetitive Riffs im modernen Krautrock-Gewand preschen auf das Publikum ein. González´ Hand schrammelt auf seiner Akustikgitarre wie ein Metronom hin und her. Es folgen minutenlange Versionen von Stücken ihres Albums »Fields«, sowie früherer EPs wie »Black Refuge« – mal in Originallänge, mal im kollektiven Jam bis ins unendliche gesteigert. Die Band stört sich nicht bei ihrem Versuch, den Konzertsaal durch ihren hypnotischen Flow in bewusstseinserweiternde Stadien zu heben. Mit Ansagen sparen sie, außer bei der Vorstellung exklusiven Songmaterials (»Line Of Fire«) des kommenden Albums. Der Meister lässt sich bei seiner Arbeit nicht stören und scheint auch bei Auskopplungen wie »Always« sein verhalten nickendes Publikum kaum aus dem Konzept zu bringen. Minimale, begrenzte und dabei ungeheuer intensive Musik hinterlässt einen desorientierten Eindruck in den Gesichtern der Dortmunder Seelen. Junips metaphysischen Voodoo gibt es laut Website erst wieder im September. Dann in völlig anderer Rahmengestaltung beim Berlin Festival auf dem Flughafen Tempelhof.