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So war’s in Berlin: Keine Autogramme

Cass McCombs live

Keine Worte und dazu noch Cocker-Spaniel-Locken. Trotzdem beweist sich Cass McCombs im Berliner Roten Salon als Begnadeter des hintergründigen Songwritings.
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Keine Autogramme gibt es nach dem Konzert, dabei hat Cass McCombs seinen Merch-Stand so schön aufgebaut. Er lächelt, aber er schüttelt den Kopf: Wo denken sie hin? So kommt dann doch noch ein bisschen mysteriöses Flair zurück zu dem Mann, der auf Platte oft klingt, als blättere er am liebsten in anderer Leute Tagebüchern. Überhaupt, das muss man ja auch erst mal übereinander kriegen: Den mulmigen Schattenmann, der »Nobody’s Nixon« sein wollte und seine böse lächelnden Songs hinter rauschenden Produktionen verbarg, und Cass McCombs, wie er leibhaftig da steht. Mit seinem gestreiften Hemd und den Cocker-Spaniel-Locken sieht er aus wie einer dieser Drogenpiloten aus Florida, nur dass er fast die ganze Zeit über die Augen geschlossen hat.

»Pain and love/ are the same thing« singt er, aber bei ihm ist das keine Emo-Tattoo-Zeile, sondern nur der Deckel auf einem Song, in dem es möglicherweise um viel dickere Fische geht. Dafür, dass McCombs unter Freunden des hintergründigen Songwritings als Begnadeter gilt, gibt er sich an diesem Abend allerdings recht bürgernah. Der rote Salon ist ein Puffsamt-Wohnzimmer, dessen Atmosphäre wohltuend an die Zeit in der Fruchtblase erinnert, für den Sänger ist das gedimmte Licht aber immer noch zu hell. Er und seine Band haben sich für die gediegene Variante ihres Songkatalogs entschieden und schmusen sich durch die letzten beiden Alben. Gelegentlich wird an der Gitarre sogar Muckertum angetäuscht, aber das machen die Stücke wiederum nicht mit. »Meet Me At The Mannequin Gallery« und »My Sister My Spouse« sind längst nicht mehr so lichtscheu wie McCombs’ frühere Songs, doch auch sie leben von der Spannung, die im Unausgesprochenen liegt. Mit Unausgesprochenem kennt sich Cass übrigens auch aus: Bühnenkonversation ist an diesem Abend schon mal eher nicht, und auch am Verkaufsstand hinterher gibt sich der Mann eher wortkarg. Dafür liegt da sein Album »Wit’s End« als Musikkassette herum. Falls man seinem Lieblingstrucker mal was Gutes tun möchte.