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So war’s in Berlin: Eine Umarmung für Berlin

Morrissey live

Trotz Geunkes in den Fan-Foren war der Berlin-Auftritt des Ex-Smiths Frontmanns im Rahmen des Citadel Music Festivals eine runde Sache. Bei bestem Wetter verwöhnte Morrissey seine Fans mit vielen Klassikern, überraschte aber auch mit neuen Songs.
Geschrieben am
18.07.2011, Berlin, Zitadelle
 
Morrissey Fans sind an Leid gewöhnt. Englische Medien berichteten jüngst von Konzertbesuchern, die auf mitgebrachten Fleischprodukten hin gefilzt wurden. Und seit vor knapp einer Woche David Tseng, Betreiber des Fan-Forums morrissey-solo.com, beim Konzert in Kopenhagen des Saales verwiesen und von seinem Idol mit einem „lebenslangen Konzertverbot“ belegt wurde, machen sich mal wieder nicht nur der Guardian, sondern auch viele treue Fans Sorgen um den Geisteszustand des divenhaften Sängers. Doch Hand auf's Herz: solche Dramen sind doch schon immer Teil des Morrissey-Phänomens gewesen.

Die übrigen Vorzeichen standen jedenfalls gut für den einzigen Deutschland-Auftritt der aktuellen Tour. Bestes Sommerwetter und die idyllische Kulisse der Spandauer Zitadelle boten beste Voraussetzungen für einen gelungenen Abend und die Veranstalter hatten alle Bratwurstbuden vom Gelände verbannt, um Probleme mit dem missionarischen Vegetarier Morrissey zu vermeiden.Nach der unvermeidlichen Vorband „The Heartbreakers“ eröffnete der Meister die Show dann pünktlich zur Show mit der Ansage „I'm Throwing My Arms Around Berlin“, der passenden ausladenden Geste und anschließendem Kniefall, bevor es mit dem Eröffnungssong „I Want The One I Can't Have“ gleich flott zur Sache ging.

Zeit zum Durchatmen blieb den tausenden von Fans in der nicht ganz ausverkauften Zitadelle in der nächsten Stunde kaum. Morrissey und seine fünfköpfige Begleitband hielten die Spannung die ganze Zeit aufrecht, klangen im Ganzen sehr forsch und leicht angriffslustig, was das Publikum anfänglich etwas zögerliche Publikum spätestens bei den Abschlusssongs des regulären Sets, „Meat Is Murder“ und „Irish Blood, English Heart“ aus der Reserve lockte. Die Zeiten, in denen Morrissey seinem Publikum Smiths-Klassiker verweigerte, sind zum Glück vorbei, so, dass das Berliner Publikum „I Know It's Over“ und „There Is A Light That Never Goes Out“ in der zweiten Hälfte des Programms gebührend feiern konnte. Doch auch das Solo-Werk der letzten Jahre ist voller Höhepunkte, was Morrissey gleich nach dem Opener mit großartigen Versionen von „You're The One For Me, Fatty“ und „You Have Killed Me“ eindrucksvoll unterstrich. Sorgfältig eingestreute neue Songs wie „Scandinavia“ oder die bereits im Internet vorgestellten „Action Is My Middle Name“ und „People Are The Same Everywhere“ ließen den Spannungsbogen nicht abflachen, und passten sich trotz weniger Überraschungen nahtlos in die eher rockige Grundstimmung der Show ein.
 
Dem energischen Vorgehen auf der Bühne, das Morrissey auch ohne viel Theatralik und große Gesten dirigierte, stand lediglich ein anfänglich eher etwas abwartendes Publikum entgegen. Es mag an der frühen Abendstunde, dem fortschreitenden Durchschnittsalter oder dem breiten Bühnengraben gelegen haben, dass die Stimmung in den mittleren Reihen erst gegen Ende richtig in Fahrt kam, als dann bei „There Is A Light“ erste Blumensträuße auf die Bühne flogen und neben den Handykameras auch übrige Hände in die Luft flogen. Als nach gut 70 Minuten der Knoten dann geplatzt war und die Fans lautstark Zugaben einforderten, ließ sich der Meister nur zu einem Song hinreißen und setzte der Veranstaltung mit „First Of The Gang To Die“ einen würdigen Abschluss. Die Diskussion um das Verhältnis von deftigem Ticketpreis zu Auftrittsdauer wird an anderer Stelle sicher hitzig geführt werden, doch wie eingangs erwähnt, sollte man als echter Fan das Mozfathers ja einiges gewohnt. Alles in Allem präsentierte sich Morrissey in Berlin in guter Form. Ein Programm, das trotz seiner knappen Form aus so vielen Hits besteht, das macht ihm so schnell einfach keiner nach.