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So war’s beim Greenville Dachkonzert: Feng Shui

Olli Schulz live

Sachte weht der Wind am wolkenlosen Himmel entlang, der Bratwurstgeruch flirtet mit der Vegetarierseele und vorne steht Olli Schulz und singt »Wenn es gut ist«.
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Der Gedanke ist nicht neu, manche haben ihn sogar jeden Donnerstag: Außerirdische vernichten die Erde, und bevor sie das tun, entführen sie ein paar von uns, um aus der Stichprobe eine neue Zivilisation zu züchten.
 
Etwa hundert geschlechtsreife Menschen auf dem Dachgarten einer Berliner Wohnung bei Sonnenuntergang sind vom Ufo aus gut zu erkennen, erst recht, wenn einer von ihnen laut und deutlich singt. Olli Schulz hat ein weißes Hemd an, ein oder zwei Bier im Blut und sogar einen Song namens »Die Ankunft der Marsianer« im Programm.
Kein Zweifel: ein Spitzenkandidat für die Wahl des neuen intergalaktischen Stammeshäuptlings, allein schon wegen der rücksichtslosen Sympathie, die ihn umgibt wie ein Kraftfeld. Olli ist da, um sein neues Album »Save Olli Schulz« vorzuführen, das starbesetzte Greenville-Festival ins Gespräch zu bringen und um die versammelte Medienbranche neidisch zu machen.



Auf die schicke Wohnung im Dachgeschoß, auf seine unvergleichlichen Entertainerqualitäten und auf seine ewige Jugend, die lieber lustig zwinkert als komasaufend Nacktfotos hochlädt. Die Indie-Mädchen, die ihm angeblich immer Verrat vorwerfen, er muss sie erfunden haben, genau wie die vielen tollen Songs, die immer so klingen als wären sie im Moment geschrieben worden, 5 Minuten, nachdem Olli dein Tagebuch durchgeblättert hat. Oder das von deiner Schwester, der Spielerfrau. Ganz offensichtlich glaubt Schulz außerdem an Verschwendung als Luxus, sonst würde er seine Lieder nämlich nicht auch noch so anmoderieren, dass man sich vor Lachen die Milz reißt und all seine Sprüche klauen möchte. Verdammte Social Skills! Im Vergleich dazu muss sich jeder wie ein Autist fühlen, dem erst vorgestern die Flucht aus Fritzls Keller gelungen ist und der jetzt noch mal eingeschult wird.
Der Übergang ist aber auch hart: Sachte weht der Wind am wolkenlosen Himmel entlang, der Bratwurstgeruch flirtet mit der Vegetarierseele und vorne steht Olli Schulz und singt »Wenn es gut ist«. Wenn es gut ist, darf man das ruhig auch mal sagen. Für die Außerirdischen sehen wir heute Abend sicher alle schön aus.