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So war's in Porto: Extrem entspannt

Optimus Primavera Sound 2012

Das spanische Primavera Sound Festival expandierte 2012 und fand erstmals nicht nur in Barcelona statt, sondern ein Wochenende später auch im portugiesischen Porto. Noch ist das Primavera Optimus kleiner als das Mutterfestival – sowohl was die Zuschauermenge als auch die Anzahl der Bands, die auftraten, angeht. Der Veranstaltungsort Parque da Cidade, ein wunderschöner Park in Meernähe, bietet allerdings alle Möglichkeiten zum Wachstum. Und dem sollte nichts im Weg stehen, wie Thomas Venker begeistert nach seiner Portoreise zu berichten vermag.
Geschrieben am

Porto macht es seinen Besuchern wirklich nicht schwer, die Stadt umgehend ins Herz zu schließen. Die gerade mal etwas über 200.000 Bewohner beheimatende Atlantikstadt mag zwar etwas in die Jahre gekommen und die Häuser dementsprechend baureif sein, doch die daraus resultierende melancholische Grundstimmung zeigt sich schnell als positive Zuschreibung. Das Brüchige gibt der Stadt eine pittoreske Note, die eben nicht zu kitschig ausfällt. Man möchte die kleinen, krummen, maroden Häuschen geradezu streicheln, so einladend sehen sie aus.

Die Bewohner von Porto, Portuenser genannt, passen sich dem Erscheinungsbild der Stadt mit ihrer zurückhaltenden, aber dann doch sehr warmen Art ideal an. Zudem ist auch noch das Essen in der Handelsstadt mit großem Hafen außergewöhnlich gut – es wird bevorzugt sehr natürlich gekocht: Der Fisch, vor allem Kabeljau, Tintenfisch und Sardellen, wird direkt aus der See auf den Grill gelegt und lediglich mit etwas grobkörnigem Salz, Kräutern und Öl angereicht, Fleischgerichte wie Entenreis oder Schweineleber werden zutatengeprägt verarbeitet. Aus alldem ergibt sich ein rundum einladendes Gesamtbild von Porto.

Festival nonstop

Das Primavera-Team hat es sich nicht leicht gemacht, indem es die Porto-Ausgabe nur eine Woche nach dem Mutterfestival in Barcelona angesetzt hat. Ausschlaggebend waren natürlich die idealen Bookingbedingungen – so spielte fast jeder der 80 Acts, die in Porto auftraten, auch eine Woche zuvor in Barcelona (dort waren es allerdings mehr als 200 Acts) –, doch der Kraftakt für das Team war natürlich erheblich. Das gesagt, muss man gleich betonen, dass bis auf den Auftritt von Death Cab For Cutie am dritten Tag alles reibungslos auf die Minute und perfekt organisiert geklappt hat. Diesen Auftritt erwischte es dafür aber komplett, und er musste wegen fehlender Seitenplanen abgesagt werden, da nach zwei soliden Frühsommertagen am dritten Tag nachmittags ein Sturm über das Gelände peitschte.

Doch beginnen wir von vorne. Den ersten Festivaltag prägten die Auftritte von The Drums, Suede, Mercury Rev und The Rapture, die alle genau das lieferten, was man von den Bands erwartet hatte. Aber eben auch nicht mehr. Was jedoch nicht weiter schlimm war, konnte man so doch in aller Ruhe den Parque da Cidade erkunden, der mit seinem weitläufigen grünen Ambiente einen angenehmen Gegenentwurf zum industriellen Gelände des Mutterfestivals in Barcelona bietet. Da in Porto im ersten Jahr auch nur gefühlte 10.000 Besucher kamen statt der 40.000 in Barcelona, war die Atmosphäre extrem entspannt.

Am zweiten Tag wurde dann allerdings das Tempo merklich angezogen: Statt zwei gab es nun vier Bühnen, und das Programm sorgte erstmals für Entscheidungsschwierigkeiten. Zu den Highlights gehörten dabei Codeine, die auf der auf einer Waldlichtung gelegenen ATP-Bühne ein mitreißendes Best-of-Set spielten, das durch den anschließenden Auftritt von Wolves In The Throne Room allerdings nochmals überboten wurde. Im Anschluss an den Auftritt der amerikanischen Black-Metal-Band mit ihren herrlich schleppenden Beats und dem düsteren Gesang sorgte dieser für eine Herde von vor sich hingrölenden Jugendlichen. Am lautesten waren aber einmal mehr die Flaming Lips mit ihrem Graffiti-Feuer-Spektakel. Jene, die es gerne trippig mochten, waren schließlich bei M83 und Neon Indian bestens aufgehoben.

Der dritte Tag begann wie bereits erwähnt mit einem ungeheuerlichen Sturm, den man besser von seinem Hotelbett beobachtete. So ausgeruht, war man bestens vorbereitet für den eindringlichen Soul-Pop von The Weekend, für Saint Etiennes trancigen Dancepop, John Talabots fantastisches Techno-Liveset und die lethargisch kriechenden Soundscapes von The xx, die bei ihrem Auftritt, bei dem sie auch Material des im September erscheinenden zweiten Albums präsentierten, schön zwischen Chris Isaak und Opal oszillierten – da wollte man sich nur noch im Wasser winden, so schön war dieser schleichende Pop.

Das Festival offiziell beenden durfte Erol Alkan. Es war zwar sicherlich nicht sein bestes Set, dafür blieb es doch zu sehr in seltsamen Posergesten und Bratzsounds hängen, zu diesem Zeitpunkt spielte es angesichts der Begeisterung der von einem Regentag durchgenudelten Besucher aber eh keine Rolle mehr: Alle wollten nur noch tanzen. Und spätestens, als er seinen Remix des Metronomy-Stücks »The Bay« auflegte, gab es kein Halten mehr: »Cause this isn’t Paris, this isn’t London, is not Berlin, not Hongkong, not Tokyo, if you want to go, I take you back one day.«
In diesem Sinne: Man sieht sich auch 2013 in Porto.