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So war´s in Köln: wie Sommer und Polonaise

Hot Chip live

Hot Chip sind professionell bis in die Zehenspitzen und das im besten Sinn. Deshalb durften sich auch Füße und andere Körperteile des Publikums elektrifiziert fühlen.
Geschrieben am

Am 29. Oktober wird in der Live Music Hall auf Sommerzeit umgestellt. Hot Chip fackeln jedenfalls eine Lichtshow ab, die das ohnehin schon wackelige Energiesparkonzept von Herrn Altmaier ad absurdum führt und jegliche Pessimisten Lügen straft, die sich beschweren, dass es schon wieder dunkel ist, wenn sie um 17 Uhr aufstehen. Nachdem Hot Chip das Building verlassen haben, wird es später es so hot sein, dass sich der Juli verschämt hintenanstellt, noch ein paar Briketts auf den Grill schmeißt und doch nicht gegen die gefühlten 300 Scheinwerfer und Abwärme von rund 1500 Menschen anstinken kann.

Aber der Reihe nach. Hot Chip zeigen heute, was eine gute Band ausmacht: Sie sollte ihre Lieder eins zu eins von Platte auf die Bühne bringen können. Zumindest bei Hot Chip ist das ausnahmsweise ernst gemeint, denn die sind nunmal in erster Linie DJs. Das heißt: sie teilen sich einvernehmlich und souverän die Bühne mit 30 m³ Equipment (ich meine, ich hätte im Hof der Live Music Hall einen zweiten Tourbus nur für das Mischpult/ Synthie/ Keyboard gesehen, hinter dem Alexis Taylor immer wieder verschwindet) und einer 30 Meter hohen Wand aus Klangspuren.

Zusammen mit der Lichtshow ergibt das eher ein DJ-Set als ein Konzert, die Lieder machen die Arbeit, und die Band ist eher ausführendes Organ. Auch daran lässt sich eine gute Band erkennen. Dass sie kaum Ansagen braucht, denn die bekannten und mitreißenden Hooklines übernehmen das Sprechen.

So sanft wird das Publikum mit »Shake A Fist« in den Abend geschaukelt, dass man zunächst kaum merkt, dass es schon angefangen hat. Aber wer springt bitteschön im Club auch schon beim ersten Lied auf die Tanzfläche. Deswegen ist mit »One Life Stand« auch erst das vierte Lied ein Publikumskatalysator. Die starre Konzerthaltung mit Blick nach vorne löst sich immer mehr auf zugunsten einer Dancefloor-Stimmung mit Blick auf Boden oder Nachbarn, und Extremitäten werden in allen Richtungen geworfen.

Es ist auch kein Zufall, dass der Katalysator vom vorletzten Album kommt, denn die älteren Hits (»Over And Over«, »Ready For The Floor« – ganz DJ-Profis setzen Hot Chip sie in der Mitte bzw. gegen Ende ein) funktionieren – so vorhersehbar wie auch bezeichnend – doch am besten. Allerdings wären Hot Chip nicht die Lords of the (Sound)Boards, wenn sie nicht auch aus »In Our Heads« noch mehr Hits herausholen würden als »Motion Sickness« und »These Chains«. Heute Abend präsentieren sich auch »Night and Day«, »Flutes« und »How Do You Do« in ihrer ganzen Tanzflächenschönheit. Lediglich das Gesangsmikro von Alexis Taylor ist irgendwie übersteuert und bei aller DJ-Erfahrung vermutlich nicht ganz so gewollt.

Insgesamt ist es ein Abend mit einem DJ-Set, das von Dancefloor-Kobolden arrangiert wurde, die genau wissen, wie magisch ihre Melodien und wie addictive die Rhythmen sind. Am Ende ist es wie bei einer Polonaise: Sie kriegen auch den Letzten, der sich vielleicht vorgenommen hatte, sitzen zu bleiben. Und damit können sie dann auch diesen Abend mit ihrer Zugabe »I Feel Better«, »Let Me Be Him« eher sanft ausklingen lassen.