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So war's in Köln: Landlocked Blues

Bright Eyes live

Nach Festivalhopping bei Hurricane und Southside, sowie dem Opening in der Berliner C-Halle residierten die Bright Eyes um Conor Oberst im Kölner E-Werk.
Geschrieben am
Dort durfte man sich über ein gutes Konzert freuen, das so manchen Beweis für Oberst große Songwriterkunst lieferte. Als Appetizer fungierte Nik Freitas, der dem Country-Twang Tribut zollte.

21.06.2011, Köln , E-Werk.

Seit dem letzten Album »Cassadaga« (2007) hatte sich ein bisher ungekannter Positivismus bei den Bright Eyes eingeschlichen. Der spirituelle Manierismus in Songs wie »Four Winds« überraschte zwar, doch konnte Oberst vielen seiner Songs nicht mehr die zu Herzen gehende Dringlichkeit verleihen, die noch die Tracks auf dem Referenzwerk »I'm Wide Awake It's Morning« ausnahmslos auszeichnete. Wenn in »Landlocked Blues« die Alarm-Trompete einsetzte, die letzten Zeilen in "Road To Joy" nahezu ausgespuckt wurden und sich in »We Are Nowhere And It's Now« Desillusioniertheit in Zeilen zementierte, dann war und ist das ganz große, alle Zeiten überdauernde, Songwriterkunst.

Der kleine Kreativitätsverlust der letzten Jahre ist wohl dem Arbeitsethos geschuldet - Die fahrige Labilität des Frühwerks bedurfte einer Neudefinition. Denn bloße Koketterie mit dem Frühwerk bleibt vom Zuhörer nicht unbemerkt. Ein evoziertes Gefühl ist eben doch nur Makulatur, wenn es nicht wahrhaftig empfunden wird. Also durfte man durchaus skeptisch sein angesichts der Tatsache, dass Conor Oberst Kunst sich seit jeher aus dem Leid heraus definiert.

Im E-Werk eröffnet zunächst Nik Freitas. In sympathisch unaufgeregter Manier trägt er seine unspektakulären Songs vor, die immer dann besser als das Nötigste sind, wenn der Country-Schmalz nicht zu sehr tropft. Nach ein paar Songs kommt seine Band hinzu und überzeugt mit Satzgesang und Neil-Young Momenten an der Gitarre. »Sundown « ist der Song, der haften bleibt. Was einem dann an Conor Oberst auffällt, ist zunächst einmal die Tatsache, dass er den juvenilen Glamourlook seines letzen Köln-Auftritts 2007 weit hinter sich gelassen hat. Es scheint, als sei es wieder 2005. Und tatsächlich: Conor Oberst schafft es wieder, seinen Songs das Leben einzuhauchen, das sie brauchen, um höhere Ebenen zu erreichen. Nur: Mit anderen Mitteln. Nicht mit exzessiver Zerstreuung, sondern souveräner Beobachtung der Dinge. Da passt es gut, das Oberst auf seinem neusten Album »The People’s Key«, die übergeordnete Perspektive einnimmt und nicht mehr ungefiltert Autobiografisches aus ihm heraus bricht. Die spirituellen Themen werden gekonnt von den mitunter zackigen Indie-Rock-Melodien flankiert.
Live vorgetragen machen die neuen Songs deutlich: Die Bright Eyes sind vielleicht mehr denn je eine Rockband. Zunächst ein Dorn im Auge für all diejenigen, die Oberst vor allem für die Intimität seiner einsamen Akustiksongs schätzen. An den Enden dröhnt es, Feedbackschleifen und kakophonisches Nachtreten sorgen für das Maß an Selbstbezogenheit, welche die ein wenig anbiedernden Rockstar-Posen von Conor Oberst neutralisieren. Für den visuellen Überbau sorgen spacige Projektionen, die in ihrer Grellheit für eine moderne, aber auch distanzierte Atmosphäre sorgen.

Der Schwenk in die klassische Bright-Eyes Phase rund um das Meisterwerk »I'm Wide Awake It's Morning« und »Lifted« tut dem Abend gut. Höhepunkt ist der eingangs erwähnte »Landlocked Blues«, Anklage von politischer Heuchelei und Amoralität. Die privaten Bilder, die diesen Song tragen, haben nichts von ihrer Plausibilität eingebüßt. Überhaupt sind es trotz der gut aufgelegten Band die reduzierten Momente, die bleiben. Die finden sich in »Poison Oak«, im tieftraurigen »Something Vague« und im allumfassenden »Ladder Song«. Hier ist Conor Oberst ganz bei sich und zu ekstatischen Reaktionen des Publikums kommt es auch nur hier. Nach anderthalb Stunden gibt es den Fan-Liebling »Road To Joy« in einer rauschhaften Version, ein letzter Blick, dann ist es vorbei. In der Summe ein gutes Bright Eyes Konzert, das vor allem in den stillen Momenten zu überzeugen wusste.