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So war's in Köln: Heute ist alles besser

Red Hot Chili Peppers live

Am 30.08. stellten die Red Hot Chili Peppers ihr neues Album »I'm With You« im Kölner E-Werk vor. Thomas Venker war dabei.
Geschrieben am

Alles im Leben ist relativ. Auch das, was man unter Intimität versteht. Und so fungierte das Red Hot Chili Peppers-Konzert vor 1500 Zuschauern unter eben jener Zuschreibung, schließlich macht es die Band sonst nicht unter der Köln-Lanxess-Arena. Überhaupt Köln, eine 2011 nicht gerade selbstverständliche Wahl einer Band für ihr exklusives Albumpräsentationskonzert, das in Kinos in aller Welt übertragen wurde - die deshalb angereiste Berliner und Hamburger Journaille freute sich angemessen darüber, mal wieder in Köln zu sein, kaum ein Gespräch in dem man nicht mit Nostalgie konfrontiert wurde über die guten alten Zeiten, in denen die Popkomm noch am Dom stattfand.

Ja, ja, die guten alten Zeiten. Ein Stichwort mit dem man gut zu den Red Hot Chili Peppers überleiten kann. Geschichte verklärt ja gerne so einiges: Bands waren früher immer besser und alles, bei dem die meisten nicht dabei waren, mindestens legendär. War es natürlich nicht und ist es nicht. Ich erinnere mich an Konzerte der Chili Peppers in den frühen 90er Jahren, die grottenschlecht waren, eins in Ludwigsburg war so erbärmlich, dass ich mich danach ärgerte, das Ticket nicht für die angebotenen 150 DM vor der Tür verkauft zu haben.

Manchmal arbeitet es der Musik eben doch zu, wenn die Musiker ihr Leben auf die Reihe kriegen. Das mag zwar alles nicht mehr so wild wie früher laufen, wenn man Drogenprobleme und Alkoholismus unter wild einordnen will, aber erstens sei es der Band gegönnt und überhaupt: wen kümmert es solange es uns Abende wie den gestrigen beschert? Wirkt das Material des neuen Albums »I'm With You« beim Zuhausehören um es freundlich zu sagen qualitativ heterogen und weckte den Wunsch nach kürzeren Veröffentlichungsformaten, die den Künstler dazu zwingen, härter auszuwählen, so zeigte sich das Potential vieler Songs live im Zusammenspiel der Band – da denkt man einen Song zu kennen und plötzlich darf man miterleben, wie er über sich hinauswächst, eine Welle der Gefühle reitet und am Ende glitzert wie es nur ein Hit kann. Und das gleich mehrfach. Das können eben nur die ganz großen Bands.
Genauso wie nur ganz große Bands es schaffen, Abgänge vom Format eines John Frusciante zu kompensieren – der Gitarrist der Red Hot Chili Peppers, der als einziger von ihnen noch am existenziellen Lebensstil der 90er-Epoche klebt, ist mal wieder ausgestiegen, als Ersatz spielt nun mit Josh Klinghoffer offensichtlich ein junger Fan in der Band. Und dies (zu Beginn) etwas übermotiviert. Da ansonsten aber alles beim alten geblieben ist - Chad Smith gibt noch immer den Crossover-Clown hinterm Schlagzeug, Anthony Kiedis den durchtrainierten Flummi mit Baseballcap der neuen Punkrock-Supergroup Off! und Flea malträtiert den Bass in bewährt gekrümmter Haltung (so sehr, dass er zwischendurch einen längeren Krampf in der Hand bekam) -,  fiel das nicht ins Gewicht. Man folgt bei RHCP-Auftritten ja sowieso zumeist Flea und Anthony mit dem Blick und irgendwann hat man sich dann auch an den jungen Wilden gewöhnt, der immer mit im Bild steht.

Eigentlich wollten die Red Hot Chili Peppers an diesem Abend ja nur die 14 Songs des neuen Albums vorstellen. Aber da es am Ende so gut lief, spielten sie nicht nur die aktuelle Single »The Adventures Of Rain Dance Maggie« ein zweites Mal (eigentlich ein No-Go, aber dann doch einfach nur gut in dem Moment), sondern legten auch noch »Give It Away« nach. Passte also.