×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war's in Köln: Gitarrenduelle mit der Alpha-Axt

Foo Fighters live

Dave Grohl und Co. lieferten sich in Köln Gitarrenduelle über die halbe Hallendistanz.
Geschrieben am
23.08.2011 Köln, Lanxess-Arena

Fünf Tage und zwei Festivalauftritte nach der tragischen Katastrophe beim Pukkelpop-Festival, bei dem auch die Foo Fighters hätten spielen sollen, ist davon am Dienstagabend in Köln nicht mehr viel zu spüren. Drei Tage zuvor hat Dave Grohl beim Frequency-Festival noch eine ergreifende Rede während des Intros zu »These Days« gehalten, in der er beschreibt, wie positiv-vorausschauend er mit der Tragödie umzugehen versucht. In Köln ist dieser Song entsprechend nur noch einer seiner »favorite songs remembering in my life.«

Angesichts der gewachsenen Professionalität solcher alten Hasen, die schon vor 16 Jahren, kurz nach ihrer Gründung, auf dem Pukkelpop spielten, vermag die Zuschauerperspektive auch nicht verraten, wie es um die Gefühlslage innerhalb der Band aussieht. Bei einem der wenigen Foo-Fighters-Konzerte, das während der laufenden Freiluftsaison in einer geschlossenen Halle stattfindet, will dem Anschein nach auch niemand mehr etwas davon wissen.

Das sanfte Empordringen zur Bühne im Innenraum der Arena lässt während der staksig agierenden kalifornischen Mädchen-Combo Cherri Bomb einen gediegenen Abend vermuten, wird aber durch die beiden ersten Songs der Hauptgruppe, »Bridge Burning« und »Rope«, die das aktuelle Album wie auch das Konzert gleichermaßen eröffnen, kontrapunktiert. Nicht wie bei einer massentauglichen Stadionrockband, eher wie bei einem Sepultura-Club-Gig geht es dort vorn zunächst zu, bevor die Luft des heißen Sommertags Puste und Tempo ein wenig hinunterfährt.

Das Stilmittel des exponierten Frontmanns wird mit Hilfe einer geradewegs ins Publikum stechenden laufstegartigen Bühnenerweiterung durch einen vitalen Grohl bis zur Vollendung missbraucht, immer wieder findet sich die Band jedoch als kompakte Einheit zusammen, zu der bisweilen sogar ein Keyboarder, ein veritabler optischer Klon Grohls, seinen kleinen Beitrag liefern darf. Der verlorene Sohn Pat Smear, der beim Berliner Gig im Juni noch etwas außen vor wirkte, traut sich inzwischen immerhin auch mal zum Bühnenrand und ist nur selten von seinem gemeißelten Grinsen zu trennen, muss sich aber die Frage gefallen lassen, ob seine dritte Gitarre überhaupt einen hörbaren Beitrag hinter Grohls Alpha-Axt liefert.



Nicht nur die Bandvorstellung macht deutlich: Die Foo Fighters sind Dave Grohl, dann Drummer Taylor Hawkins, und dann ganz lange erst einmal gar nichts. So darf der Boardshorts-Träger - auch wiederum ein Grohl-Klon, nur in blond – von seinem Drumset aus den Song »Cold Day In The Sun« singen, was einer kleinen Gotteswerdung gleich kommt. Auf seinen dünnen Leib geschneidert wäre allerdings eher »Skin And Bones« gewesen, das sich auf sublime Art und Weise nicht ganz in den Foo-Fighters-Kosmos fügt, sondern durch die Untermalung mit Akkordeon und der im chaotischen Desaster mündenden offbeatlastigen Gitarre als wahre Schönheit hinaussticht.

Der Weichspülcharme solcher Arenengigs macht sicherlich auch nicht vor den Foo Fighters Halt, die sich in – hoffentlich! - wenig ernst gemeinte Gitarrenduelle über die halbe Hallendistanz verstricken und auf ihren Verstärkern Konstruktionen für den Halt ihrer offenkundig antialkoholischen Erfrischungsgetränke installiert haben, um die Flaschen vorm Vergießen zu bewahren. Jedoch kauft man es Grohl nicht ab, wenn er über die früheren Club-Gigs in der Stadt sagt: »Man, that sucked!«

Es drängt die Frage, was er wohl über diese Wand an Menschen denkt, die zur Hälfte sitzend, zur Hälfte stehend, dutzende Meter vor ihm emporragt, während er allein inmitten von 15.000 Zuschauern an der Spitze des Bühnenstegs steht und singt. Er erzählt, wenn er nicht zufällig dort oben stünde, würde er trinken und sich zu uns gesellen, um sich dieses Konzert anzusehen. Angesichts der gewachsenen Professionalität eines solchen alten Hasens klingt dies sehr druckreif. Angesichts der vollkommenen Sympathie für diesen Mann möchte man jedoch keinen Zweifel daran aufkommen lassen.